Modellprojekt zur Verhinderung sexualisierter Gewalt in der Kinder- und Jugendhilfe
kibs ist bei bundesweiter Fortbildungsoffensive dabei
Die Kontakt-, Informations- und Beratungsstelle für männliche Opfer sexueller Gewalt kibs ist eine von zwei bayerischen Fachberatungsstellen, die bei der Fortbildungsoffensive zur Verhinderung sexualisierter Gewalt als Kooperationspartner ausgewählt wurde. Familienministerin Kristina Schröder hatte das Programm, das junge Menschen in Einrichtungen der Kinder-, Jugend- und Behindertenhilfe vor sexualisierter Gewalt schützen soll, bereits Ende September vergangenen Jahres angekündigt und mit drei Millionen Euro für die Jahre 2010 und 2014 ausgestattet. Jetzt ist entschieden, wer die Fortbildungen durchführt. Von den insgesamt 90 Fachberatungsstellen, die sich für die Teilnahme an dem bundesweiten Projekt beworben hatten, wurden 18 Partner ausgewählt - kibs ist einer davon.
Die Beratungsstelle des Kinderschutz e.V. existiert seit 1999. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten seit Jahren sowohl mit Betroffenen als auch mit Einrichtungen zusammen und haben sich in der Fachwelt bundesweites Renommé erarbeitet. Sie haben die nötige Fachkompetenz und Erfahrung im Bereich von Beratung, Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt gegen junge Menschen und verfügen gleichzeitig über Erfahrung in der Durchführung von Fortbildungs- und Präventionsveranstaltungen. Dies waren Anforderungskriterien zur Auswahl der Fachberatungsstellen. Deren Aufgabe ist es nun, die Ziele der Fortbildungsoffensive umzusetzen und den Fachkräften in den Einrichtungen umfassendes Basiswissen sowie relevante Handlungskompetenzen zu vermitteln. Im Einzelnen sind dies:
- nachhaltiger Schutz von Mädchen und Jungen vor sexualisierter Gewalt
- Umfassende Qualifizierung von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe im gesamten Bundesgebiet
- Sicherstellung von institutionellen Strukturen, die das Auftreten sexualisierter Gewalt erschweren
- Etablierung eines Beschwerdemanagements unter Einbindung von externen Fachberatungsstellen (für Kinder/Jugendliche und Mitarbeiter/innen/ Leitungsebene)
- Institutionalisierung eines Kooperationsbündnisses zwischen Fachberatungsstellen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe
- Unterstützung bereits etablierter Fachberatungsstellen und Förderung der Vernetzung untereinander.
Stefan Port, Dipl. Sozialpädagoge (FH), wird als Referent von kibs bayernweit Fachkräfte in den Institutionen zu diesen Aspekten schulen und coachen. Aus Erfahrung weiß er, dass schon der Umgang mit dem Thema "Sexualität" für viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Kinder- und Jugendeinrichtungen schwierig ist – wenn es um sexuellen Missbrauch geht, wird es noch schwieriger. Ulrike Tümmler-Wanger, Leiterin von kibs, sagt deshalb: "Fortbildungen, die Basiswissen zum Thema vermitteln, und das Entwickeln von Schutzkonzeptionen und Verhaltensregeln verhindern Berührungsängste, fördern einen fachkompetenten Umgang mit der Thematik und bieten somit den besten Schutz für die Kinder und Jugendlichen."
Alle im Rahmen der Fortbildungsoffensive tätigen Fachberaterinnen und Fachberater kommen einmal im Jahr zum Erfahrungsaustausch zusammen. Spannend wird sein, wie ein solches Programm von den Einrichtungen angenommen wird, was sich gegebenenfalls konzeptionell ändern muss und welche Effekte sich insgesamt ergeben. Das Projekt wird von der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung e.V. (DGfPI) koordiniert. kibs startet mit der Beratung am 1. Juli 2011. Einrichtungen, die am Programm teilnehmen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schulen möchten, können sich unter DGfPI anmelden.
