Der Kinderschutz und Mutterschutz e.V. hilft 16 sexuell missbrauchten Jungen
Ende April stand die Münchner Kriminalpolizei vor einem großen Problem. Dem Opferschutzkommissariat (K314) waren durch Polizeiermittlungen 15 Jungen im Alter von 13 bis 16 Jahren bekannt geworden, die allesamt in ein und dem selben Fall Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sind. Die Tragik, die hinter jedem Schicksal der 13 Betroffenen stand, wog um so mehr, da es weder in München noch in Bayern ein geeignetes Angebot gab, dass den Opfern und ihren Familien psychosoziale Unterstützung anbieten konnte.
Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kinderschutz und Mutterschutz e.V. war das Fehlen eines solchen Beratungs- und Betreuungsangebotes schon eine geraume Zeit bekannt. Kann doch davon ausgegangen werden, dass 80 Prozent der durch den Kinderschutz und Mutterschutz e.V. in den verschiedenen Jugendhilfemaßnahmen Betreuten Missbrauchserfahrungen haben. Während Mädchen entsprechende Beratungsstellen zur Verfügung stehen, lief die Suche nach solchen Angeboten für Jungen stets ins Leere.
Dies war für die Mitarbeiterin Frau Tümmler-Wanger Anlass, sich entsprechend zu qualifizieren. Im Rahmen einer mehrjährigen Fortbildung erwarb sie die Zusatzqualifikation der "Fachberaterin gegen sexuelle Gewalt". Gleichzeitig arbeitete sie an einem Konzept für eine entsprechende Beratungsstelle. Noch während dieser Planungsphase erfuhr der Kinderschutz und Mutterschutz e.V. durch das K314 von den 15 betroffenen Jungen. Zur Abwendung dieser Notlage wurde Frau Tümmler-Wanger von ihren Aufgaben frei gestellt. Sie trat unmittelbar in den Beratungs- und Betreuungsprozess ein. Kibs war geboren.
Der Name kibs ist dabei ein wesentliches Merkmal des Konzepts. Vergleichserfahrungen in der Arbeit mit Missbrauchsopfern zeigen, dass vor allem männliche Opfer sexueller Gewalt eine sehr hohe Hemmschwelle besitzen, sich adäquate Hilfe zu holen. Diese Hemmschwelle liegt noch mal höher, wenn sich das Hilfsangebot hinter dem Namen Beratungsstelle verbirgt. Kibs: Kontakt-, Informations- und Beratungsstelle für männliche Opfer sexueller Gewalt im Alter von 10 bis 21 Jahren.
Kibs wird in Zukunft sein Angebot erweitern, um die beschriebene Hemmschwelle noch niedriger werden zu lassen. Dies soll erreicht werden u.a. durch: E-Mail-Beratung, Chat, Telefon-Notruf rund um die Uhr, offene Freizeitangebote u.v.m.
