23.02.2005 | kibs

Kein Schutz für Kinder - Kinderschänder und Mörder gehen vor

Wir fordern einen Sicherheitspakt für die länderübergreifende Zusammenarbeit im Kampf gegen sexuelle Wiederholungsdelikte

Gemeinsame Pressemitteilung der Stiftung Hänsel + Gretel,
des Vereins Dunkelziffer e.V., der Beratungsstelle kibs (Kinderschutz
und Mutterschutz e.V.) und der Deutschen Kinderhilfe Direkt e.V.
vom 23.02.2005

Natalie / 7 Jahre, Christina / 11 Jahre, Annika / 8 Jahre, Pascal / 5 Jahre,
Levke / 8 Jahre, Felix / 8 Jahre, Jessica / 6 Jahre, Peter / 9 Jahre:
missbraucht und ermordet

Karlsruhe/Hamburg/München/Berlin - Deutschland will kinderfreundlichstes Land in Europa werden. Doch welchen Wert ein Kinderleben in Deutschland hat, zeigt der Fall Peter A. aus München. Sein Vergewaltiger und Mörder, der bereits vor 11 Jahren ein Kind missbraucht und mit 70 Messerstichen brutal getötet hat, geht unbehelligt bei Peters Familie ein und aus. Obwohl sich der Kindermörder Martin Prinz nicht an die Auflagen nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis hält, rühren sich die Verantwortlichen nicht. Peter wird missbraucht, umgebracht und weggeworfen.

Peter gehört in die Reihe der vielen missbrauchten und ermordeten Kinder, die auf einschlägig vorbestrafte Täter trafen. Wie viele Kinder müssen noch ein ähnliches Schicksal erleiden, bis die Verantwortlichen reagieren? Es ist nicht länger hinnehmbar, dass entweder keine Therapieauflagen verfügt oder solche nicht umgesetzt werden. Schließlich sind Kinder auch vor Wiederholungstätern zu schützen, indem vor deren Entlassung aus der Strafanstalt eine gewissenhafte Prognose über die Rückfälligkeit erstellt wird und ein entsprechendes Handeln der Justizvollzugsbehörden einsetzt.

Die Stiftung Hänsel + Gretel (Karlsruhe), der Verein Dunkelziffer e.V. (Hamburg), die Beratungsstelle kibs (Kinderschutz und Mutterschutz e.V.) (München) und die Deutsche Kinderhilfe Direkt e.V. (Berlin) fordern eine konsequentere Anwendung der Gesetze zum Schutz der Kinder. Es kann nicht angehen, dass trotz Warnungen von Kriminalpsychologen und Kripobeamten diese Täter nicht in Sicherheitsverwahrung genommen werden.

Es muss etwas geschehen und zwar sofort! Martin Prinz ist sicherlich nicht die einzige tickende Zeitbombe. In den letzten Jahren hat die Härte der Missbrauchsfälle erschreckend zugenommen. Und: Die Täter werden immer jünger und brutaler. In Brandenburg ist die Zahl der angezeigten Delikte von 2003 auf 2004 um 15,4 % angestiegen auf 488 Fälle. In Berlin wurden im letzten Jahr rund 800 Fälle von Kindesmissbrauch angezeigt, zum Vergleich: 1995 lag die Zahl noch bei 101 Delikten.

Deshalb fordern wir die Einberufung einer außerordentlichen Innenministerkonferenz der Länder, um einen Sicherheitspakt ins Leben zu rufen. Eine länderübergreifende Zusammenarbeit bei der Verfolgung und Verurteilung einschlägig vorbestrafter Täter ist dringend erforderlich. Falsche Rücksichtnahme auf die Täter gefährdet das Leben unserer Kinder.

Kontakt

Jerome Braun
Stiftung Hänsel + Gretel
Tel. (0721) 943 19 22
info@haensel-gretel.de

Vera Falck
Dunkelziffer e.V.
Tel. (040) 48 48 84
mail@dunkelziffer.de

Ulrike Tümmler-Wanger
kibs
Kinderschutz und Mutterschutz e.V.
Tel. (089) 23 17 16 -0
mail@kibs.de

Jutta Hackmann-Laska
Deutsche Kinderhilfe Direkt e.V.
Tel. (030) 24 34 29 40
info@kinderhilfe.de