04.12.2009 | kibs

Präventionstheaterprojekt "lassmich fassmich - fassmich lassmich"

Beratungsstelle "kibs" und das Theater "Trampelmuse" erarbeiteten Bühnenstück zum Thema sexuelle Übergriffe unter Kindern

Einladung des Kinderschutz e.V.

Sexuelle Übergriffe unter Kindern häufen sich. Diese Entwicklung nimmt "kibs" - die Kontakt-, Informations- und Beratungsstelle für männliche Opfer sexueller Gewalt des Kinderschutz e.V. in den vergangenen Jahren besorgt wahr. Die Unkenntnis über die Thematik, die Angst und Unsicherheit der Eltern und pädagogischen Fachkräfte führen jedoch häufig zum Wegschauen. kibs sucht daher nach Wegen, dieses Thema stärker in den Fokus von Eltern und Pädagogen - aber auch der betroffenen oder gefährdeten Kinder und Jugendlichen - zu rücken.

Mit dem Theater "Trampelmuse", das seit zehn Jahren bereits mit einem Präventionstheaterprojekt zum Thema sexuelle Gewalt gegen Kinder sowie Mädchengewalt-Jungengewalt arbeitet, hat kibs nun einen Partner dafür gefunden.

Die Hilflosigkeit der Opfer, sowie die Sprachlosigkeit der übergriffigen männlichen und weiblichen Kinder und Jugendlichen, gaben Trampelmuse und kibs Anlass, ein Präventionstheaterprojekt zu dieser Problematik ins Leben zu rufen: Gemeinsam erarbeiteten sie ein Bühnenstück, das sich mit dem Thema sexuelle Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen auseinandersetzt. Nachdem bereits mehrere Werkstattaufführungen stattfanden, wird das Stück am Montag, 7.12.2009 erstmals in einer öffentlichen Premiere aufgeführt.

» Eltern, pädagogische Fachkräfte und alle weiteren Interessierten sind herzlich zur öffentlichen Premiere im "Kleinen Theater Haar" eingeladen - nähere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

Mit dem Stück werden Kinder, Eltern und pädagogische Fachkräfte angesprochen. Ziel dieses Gemeinschaftsprojektes ist es, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen, die Wahrnehmung zu schärfen und Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein Bild und eine Sprache zu geben. Das Theaterstück erreicht und sensibilisiert die unterschiedlichen Zielgruppen gleichermaßen, ohne sie dabei anzuklagen.

Durch das interaktive Theaterstück werden insbesondere Kinder in ihrem Bewusstsein dafür gestärkt, welche Berührung für sie in Ordnung ist - und was nicht in Ordnung ist. In den von der Trampelmuse gespielten Szenen haben sowohl übergriffige Kinder, als auch Opfer die Chance eigene Erlebnisse zu reflektieren. Auf der Bühne lässt das Ensemble "innere Theaterbilder" entstehen. Die sind ein Spiegel der Gefühle und inneren Not der Betroffenen: Sie zeigen den Druck, die scheinbare Freiwilligkeit, die Ohnmacht, das schlechte Gewissen, die Angst vieler Kinder, dass "es" wieder passiert. Sensibel arbeiten die Schauspieler in "realen" Szenen wischen den Figuren "Schlagherz" und "Puppenlieb" sowie in von Puppen gespielten Szenen heraus, dass sexuelle Übergriffe unter Kindern keineswegs cool, sondern gemein sind. Darin liegt auch das Präventive dieses Projekts für nicht betroffene Kinder. Ohne Panikmache wird dieses Thema angesprochen!

Aufführung und fachliche Begleitung des Stückes

Das Präventionstheaterprojekt ist mobil und somit an jedem Ort durchführbar. Es kann daher beispielsweise von Schulen gebucht und vor Schulklassen, Eltern und Lehrkräften aufgeführt werden. Aufgabe der Beratungsstelle kibs ist es, mit den verschiedenen Zielgruppen im Anschluss das Gesehene zu verarbeiten und Schutz- und Handlungsstrategien zu erarbeiten. Aus langjährigen Erfahrungen mit anderen Theaterstücken ist außerdem bekannt, dass stets in allen Kindergruppen auch Betroffene sitzen, die sonst bisher noch nicht "auffällig" waren. Eine sensible und professionelle Hilfe ist hier ebenso notwendig wie auch möglich.

Der Einsatz des Stückes z.B. an einer Schule könnte typischerweise so aussehen:

  • Vorgespräch mit den Lehrkräften, bei dem diese Informations- und Arbeitsmaterialien zur Nachbearbeitung mit den Kindern bekommen
  • Elternabend mit dem Theaterstück und anschließender Diskussion
  • Aufführung vor den Kindern: Im Stück werden unterschiedliche Szene gezeigt. Nach jeder gespielten Szene wird das Stück angehalten und das Ensemble arbeitet mit den Kinder an Lösungsmöglichkeiten – das Stück geht weiter
  • Nacharbeit in Kleingruppen mit den Kindern
  • Nachgespräch mit den Lehrkräften

Eine weitere Einsatzmöglichkeit besteht darin, das Theaterstück im Rahmen von Fortbildungen nur vor Fachkräften bzw. Auszubildenden in Fachschulen aufzuführen und das Thema anschließend zu diskutieren.

Danke für die Unterstützung

Die Entwicklung des Präventionstheaterprojekts wurde ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung von "Aktion Mensch", MEDAS, der Kinder- und Jugendstiftung der Sparkasse München sowie der Kinder- und Jugendstiftung der Landeshauptstadt München.

Kinderschutz e.V.
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