Erst Tieren vertrauen, dann wieder den Menschen: Therapie-Zentrum für seelisch kranke Kinder
Nach Vernachlässigung und Misshandlung wird in Unterbernbach mit tiergestützter Therapie geholfen
Unterbernbach - Wenn ein Kind krank ist, kontaktscheu und zurückgezogen, wenn es missbraucht oder vernachlässigt wurde, dann fehlt es oft am Vertrauen in die Menschen. Aber ein Tier vermag es manchmal doch, den inneren Panzer der kleinen Patienten aufzubrechen. Bekannt geworden sind solche Versuche der so genannten tiergestützten Therapie durch die Erfolge, die Delphine bei autistischen Kindern bewirken. "Aber es muss nicht immer Florida sein", sagt Ulrike Heigenmooser. Und sie muss es wissen: Ab Herbst wird sie ein Zentrum für tiergestützte Therapie in Unterbernbach leiten. Dort hat der Münchener Verein Kinderschutz und Mutterschutz e.V. eine Hofstelle erworben, die jetzt renoviert wird. Denn Ulrike Heigenmooser wird dort mitsamt ihren Tieren wohnen und arbeiten. Sie bringt drei Ponys, drei Ziegen, zwei Enten, zwei Hunde, zwei Katzen, einen Hahn und eine Henne mit.
"Die Tiere werden als Medium eingesetzt", erklärt die Heilpädagogin, die sich für die tiergestützte Therapie eigens hat fortbilden lassen. Ein verschlossenes Kind scheue vielleicht die Menschen, hat deswegen aber noch keine Angst vor Tieren. Und über den Kontakt zum Tier kann der Kontakt zum Menschen wieder hergestellt werden. Ob es für die Kinder besser Heilpädagogin mit Mini-Zoo ist, regelmäßig einen Tag lang zu kommen, oder für Wochenenden beziehungsweise mehrtägige Blöcke, wird von Fall zu Fall entschieden. Dann muss auch noch herausgefunden werden, welches Tier für welches Kind geeignet ist oder umgekehrt. Heigenmooser hätte gerne noch ein Schaf, nein, genau genommen zwei, damit die Tiere nicht allein sind. "Man darf ja die Bedürfnisse der Tiere dabei nicht vergessen." Mit ihrer dicken Wolle sind Schafe so gut geeignet, weil sie am Fell nicht sehr empfindlich sind, wenn ein Kind sich ungeschickt nähert.
Projekte wie dieses sind teuer. Der Verein Kinderschutz und Mutterschutz hat jetzt das Gebäude in Unterbernbach gekauft und finanziert nun die Renovierung. Zugleich unterhält er etliche andere Einrichtungen und Beratungsstellen. "Wir wollen eine Lobby für Kinder sein und ihnen tatkräftige Hilfe bieten", fasst Geschäftsführer Arno Bock zusammen. Geholfen wird Kindern, die aus den unterschiedlichsten Gründen Probleme mit der Sozialisation haben. In Dachau gibt es zum Beispiel ein heilpädagogisches Heim, bei dem Kinder von der dritten Klasse bis zum Hauptschulabschluss betreut werden. In die Schule kommen auch externe Kinder. An vier Tagen wird wie üblich Stoff gepaukt, der fünfte ist für Betriebe gedacht. So entstehen schon während der Schulzeit Kontakte in die Arbeitswelt und Barrieren werden abgebaut. Dieses Konzept wurde erst vor kurzem mit einem Innovationspreis ausgezeichnet. Bei anderen Projekten leben die Jungen und Mädchen in Gruppen zu acht oder neun Kindern in familienähnlichen Strukturen. Drei solcher Wohngruppen gibt es in Karlsfeld. So werden die Jugendlichen ins Erwachsenenleben begleitet. Außerdem führt der Verein Vormundschaften und betreut Flüchtlingskinder. In München gibt es die ambulante Erziehungshilfe, an die sich Ratsuchende wenden können, und nicht zuletzt unterhält der Verein ein großes Online-Beratungssystem.
Zwar gibt es für Heime und Wohngruppen Zuschüsse, manchmal zahlen Jugendämter oder Krankenkassen dazu, aber der Verein ist auch dringend auf Spenden angewiesen. Die finanzielle Lage sei angespannt, berichtet Arno Bock. Weitere Informationen sind im Internet unter www.kinderschutz.de zu finden. Dort kann auch online gespendet werden - entweder allgemein für den Verein oder für ein bestimmtes Projekt: Konto 78 18 300, Bank für Sozialwirtschaft (BLZ 700 205 00).
von Carina Lauterbacher
