13.05.2006 | Verein

Zweimal Teilzeit und vier Kinder

Eine glückliche Mutter über ihr Leben zwischen Pausenbrot
und Politik

Bericht in der Wochenendausgabe des Münchner Merkur vom 13./14.05.2006

München - Martina von Dewitz will gerade den Laptop vom Esstisch räumen und fieselt ein paar pappige Eis-Stiele aus den Kabeln, als das Babyphon loskräht. Der Kleine will sein Fläschchen. Die 37-Jährige steht auf, da sagt ihr Freund, er kümmere sich darum. Bevor sie sich wieder gesetzt hat, stürmen die drei Töchter aus dem Garten herein. Während die Vierjährige unter kräftigem Einsatz ihrer Gras-beklebten Schuhsohlen auf Mamis Schoß klettert, fragen die beiden Großen: "Mami, können wir mit denen von vorne Pizza essen?" Schon fliegen sie wieder davon, über die provisorische Terasse und durch den wuchernden Rasen. Nein - einen dieser typischen Parfümerie-Douglas-Muttertags-Werbespots mit weißgekleideten Damen in gepflegten Villen könnte man nicht drehen über Martina von Dewitz und ihre Familie in dem verwilderten Häuschen am Münchner Stadtrand. Was der schlanken Frau mit dem blonden Zopf wurscht ist. "Ich habe Glück", sagt sie.

Die Rahmenbedingungen müssen stimmen

Dass es vier Kinder werden, das hatten die Sozialpädagogin und ihr Freund nicht geplant. "Aber die Rahmenbedingungen stimmen", sagt sie. "Und nur dadurch ist das überhaupt möglich." Rahmenbedingungen, das heißt konkret: Martina von Dewitz und ihr Freund arbeiten beide Teilzeit. Beide haben Arbeitgeber, die das akzeptieren. Und sie haben für die drei Töchter - neun, sieben und vier Jahre alt - eine gute Betreuung gefunden.

Der Tag beginnt für Martina von Dewitz und ihren Freund um sechs Uhr morgens, wenn das Baby sein Fläschchen will. Bis alle sechs Familienmitglieder im Bad waren - noch reicht für die Kinder eine schnelle Katzenwäsche - ist es sieben. Wenn alle ihre Cornflakes gegessen haben und die Pausenbrote geschmiert sind, werden die drei Mädchen ins Auto gepackt und in die Schule beziehungsweise den Kindergarten gefahren. Dann geht's für die Mutter wieder nach Hause, der Hund muss ausgeführt werden. Gegen acht Uhr dreißig fährt sie - oder eben der Freund - zur Arbeit.

Nach Kindergarten und Schule sind die Mädchen in der Mittags-Betreuung und kommen gegen halb drei wieder heim. "Mein Freund oder ich, je nachdem, wer gerade nicht arbeitet, kümmert sich um den Haushalt", erzählt die 37-Jährige.

Abends um halb sieben, wenn auch der andere Elternteil vom Job wieder zu Hause ist, versammelt sich die Familie im Wohnzimmer auf den Stühlen und Stühlchen um den großen Holztisch. Dann füllt reges Geplapper den Raum, wenn zwei Große und vier unterschiedlich Kleine erzählen, was sie tagsüber erlebt haben. "Dieses gemeinsame Abendessen ist uns sehr wichtig", betont die vierfache Mutter.

Nie hat Martina von Dewitz, die beim Münchner Verein Kinderschutz und Mutterschutz e.V. arbeitet, im Job Schwierigkeiten gehabt. "Im Gegenteil", lacht sie. "Zu jeder neuen Schwangerschaft wurde mir gratuliert, und jedes Mal, wenn ich wieder zurück gekommen bin, wurde ich problemlos aufgenommen."

Das ist es, was sie mit Glück meint. Denn sie sagt auch: "Mit diesen Erfahrungen bin ich die ganz große Ausnahme. Ich kenne viele Mütter, die an ihren Arbeitsplätzen in irgend einer Weise blöd angeredet werden."

Das Bewusstsein dafür, wie wichtig es ist, Familie und Beruf zu vereinbaren - das habe sich eben noch immer nicht durchgesetzt in der Gesellschaft. Erst recht nicht, wenn es um die Väter geht: "So, wie wir es machen, dass beide Teilzeit arbeiten - das würden in unserem Freundeskreis viele gern verwirklichen", erzählt die Sozialpädagogin. "Es ist zur Zeit aber schlicht nicht möglich."

Die Töchter des Paares freilich sind da schon viel weiter: In den vergangenen Tagen ist im Haus viel geflüstert, getuschelt und gemauschelt worden. "Die Mädchen haben den Muttertag vorbereitet", lacht Martina von Dewitz. Gedichte werden sicher wieder vorgetragen, und irgendetwas Süßes wird es geben - die Kinder haben vorab recherchiert, welche Bonbons die Mutter am liebsten isst. "Sie nehmen das sehr ernst - und genau so ernst nehmen sie den Vatertag!"

Den Weg, den Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) jetzt mit dem Elterngeld und mit der Diskussion um die Rolle der Väter eingeschlagen hat, kann Martina von Dewitz nur befürworten. Endlich werde, wenn auch vorerst in kleinen Schritten, gehandelt und nicht immer nur geredet.

Wenn sie Politikerin wäre, sagt die vierfache Mutter lebhaft, stünden bei ihr vor allem Betreuungsplätze ganz oben auf der Liste. Denn da sind sie und ihr Freund selbst ein Beispiel: Während die Mädchen gut versorgt sind, hat das Paar für den neun Monate alten Sohn bisher noch keinen Krippenplatz gefunden.

Frühes Training für den Frauenversteher

Während der Papa ihm den Strampler zurechtzieht, gluckst der Kleine vergnügt vor sich hin. Ob er es einmal schwer haben wird, so als einziger Junge mit drei großen Schwestern? Martina von Dewitz muss herzlich lachen. "Nein, ich glaube, er wird eher verwöhnt", sagt sie. "Wahrscheinlich wird er ein Frauenversteher!" Und bestimmt ein so genannter "neuer Mann", für den zum Glücklichsein kein schnelles Auto gehört, sondern ein Teilzeitjob, eine Partnerin und viele Kinder.

Christiane Pütter