20.07.2006 | Paulihof

Auf die Wippe und ab durchs Tor

Neuer Therapie-Parcours für den Paulihof - Auszubildende packen kräftig mit an

Bericht in der Augsburger Allgemeinen vom 20.07.2006

Unterbernbach - Etwa 70 Tiere, darunter Kaninchen, Katzen, Hunde Pferde, Schweine, Ziegen und Schafe, bewohnen den Paulihof in Unterbernbach. Diese heiltherapeutische Einrichtung für traumatisierte Kinder hat gestern einen neuen Parcours für tiergestützte Pädagogik bekommen. Rund 100 Auszubildende und Betreuer der Versicherungskammer Bayern und Mitarbeiter des Kinderschutz und Mutterschutz e.V. arbeiteten gemeinsam an diesem Projekt.

"Dafür, dass die Auszubildenden, die hier sind, eigentlich meist im Büro arbeiten, zeigen sie alle einen bemerkenswerten Einsatz", sagt Annette Gans vom Kinderschutz und Mutterschutz e.V. Gerade bei den Schaufelarbeiten hätte man schon nach kurzer Zeit Blasen an den Händen gehabt, doch die Jugendlichen seien tapfer gewesen und hätten beherzt mit angepackt. Die Auszubildenden bauten Parcoursteile wie etwa eine Wippe oder ein Tor und schütteten Erde für ein so genanntes "Ziegengebirge" auf. Die Kinder, die den Paulihof besuchen, können dann gemeinsam mit einer Ziege oder einem Schaf an der Hand den Weg erkunden und so zu dem Tier Vertrauen fassen. "Besonders wichtig bei unserer Arbeit ist es, dass Kinder, die oft den Kontakt zu Menschen ablehnen, durch die Tiere wieder lernen, sich auf eine Beziehung einzulassen", sagt Annette Gans.

Es gebe auch Fälle, bei denen keine Spur mehr von Selbstwahrnehmung sei. "Die Kinder merken, dass erst, wenn sie Körperhaltung und Stimme richtig einsetzen und sie sich ganz auf diese eine Sache konzentrieren, das Tier zu ihnen kommt." Lockversuche mit aggressivem Unterton blieben dabei ganz klar erfolglos.

Natürlich verbergen sich hinter solch einem Projekt auch entsprechende Kosten. Für den Parcours, der heute gebaut wurde, tritt der Verein Sternstunde e.V. ein, denn auch wenn die Auszubildenden hier umsonst arbeiten, bezahlen sich die notwendigen Materialien nicht von selbst. Nicht zu vergessen sind ebenso die Tiere: Diese wollen gefüttert, gepflegt und ausgebildet werden. Hierbei greife man laut Annette Gans verstärkt auf Spendengelder zurück.

Die Kinder und Jugendlichen im Alter von fünf bis 18 Jahren suchen sich meist ein bestimmtes Bezugstier aus, solange sie auf dem Paulihof sind. "Es ist immer wahnsinnig spannend, welches Kind sich schließlich welches Tier aussucht" erzählt Annette Gans. Ein Junge, der grundsätzlich Angst vor allen Tieren hatte, hätte sich zur Überraschung aller am Ende dann das allergrößte Pferd ausgesucht.

Auch die Azubis profitieren

Das Projekt "Parcours" dient jedoch nicht nur den traumatisierten Kindern, die den Hof besuchen, sondern auch den Auszubildenden der Versicherungskammer Bayern. "Wir fördern mit dieser Aktion das gemeinschaftliche Erlebnis und das soziale Engagement der Auszubildenden" sagt Melanie Hassmann, Ausbildungs-Betreuerin der Versicherungskammer Bayern.

Die Jugendlichen hatten zu ihrem Tag auf dem Paulihof nur eines zu sagen: "Es war unglaublich anstrengend, aber es ist ein tolles Gefühl, wenn man sieht, was man geschafft hat."

Daniela Fischer