Durch Tierliebe zurück im Leben
Kirsten hatte sich in ihre eigene Welt zurückgezogen - auf dem Paulihof lernte sie, sich wieder zu öffnen
Fast-Food vor dem Fernseher war für die zehnjährige Kirsten (Name geändert) und ihre epilepsiekranke Mutter Alltag. Probleme und Sorgen wurden ausgeschwiegen, der Fernseher ersetzte das Gespräch. Die alleinerziehende Frau war zwar um ihre Tochter bemüht, litt aber unter einer schweren Belastung: Sie lebt in permanenter Angst vor dem nächsten epileptischen Anfall, vor Zurückweisungen und Benachteiligungen. Ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit konnte sie Kirsten daher nie geben. Das Mädchen zog sich immer mehr in seine eigene Welt zurück.
Kirsten schafft es nicht, Kontakt zu anderen Kindern aufzubauen. In der Schule ist sie eine Außenseiterin. Ihr fehlt jegliches Selbstwertgefühl. Sie ist kaum mehr ansprechbar.
Unterstützung findet die kleine Familie beim Verein Kinderschutz und Mutterschutz e.V. Dessen Sozialpädagogen haben ein Therapieprogramm erarbeitet: "Die einzige Chance, an Kirsten heranzukommen, waren ihre beiden Kaninchen", erzählt ihre Betreuerin. An ihnen lebt das Kind seine aufgestauten Gefühle aus. Dabei erdrückt Kirsten die Tiere beinahe. Sie hat kein Gespür für ihre eigenen Grenzen und die des Gegenübers.
Kirsten beginnt mit wöchentlichen Besuchen auf dem "Paulihof - Heilende Pädagogik mit Tieren". Hier werden seelisch verletzte Kinder mit Haus- und Hoftieren zusammengebracht, füttern sie, übernehmen Verantwortung. Dadurch lernen die Kinder, eigene Gefühle ebenso wahrzunehmen wie die des Gegenübers.
Heute geht es Kirsten besser. Die Tage auf dem Paulihof haben das Mädchen verändert.
Respekt zollt sie dem größten Tier des Paulihofs, dem Pferd Fritz: "Wenn Fritz etwas nicht passt, dann geht er einfach. So wie ich." Trotzdem versteht sie, dass Fritz sehr wohl kommt, wenn man ihn besonders sanft ruft.
Diese kleinen Erfolgserlebnisse geben Kirsten Selbstwertgefühl. Nicht nur mit den Kaninchen geht sie nun anders um. Sie nimmt auch wieder am sozialen Leben teil. Kirsten geht jetzt oft mit ihrer Mutter einkaufen und hilft ihr im Haushalt. Was ihr auf dem Paulihof gefallen hat, ist auch daheim zur Regel geworden: Mutter und Tochter essen wieder gemeinsam an einem Tisch, während der Fernseher ausgeschaltet bleibt.
Heute sind Mutter und Tochter ein starkes Team
Kirsten hat in den Stunden auf dem Paulihof viel über sich selbst gelernt und sich geöffnet. Das hat Mutter und Tochter zusammengeschweißt, um gemeinsam die Herausforderungen des Lebens in Angriff nehmen zu können.
Bereits über die vergangenen Jahre haben Sie, liebe Leser, mit Ihren großzügigen Spenden vielen Kindern einen Aufenthalt auf dem Paulihof ermöglicht. Damit haben Sie den Kindern geholfen, den Umgang mit anderen Menschen und Tieren zu trainieren und damit wieder ins Leben zurückzufinden. Auch in diesem Jahr unterstützt die Hilfsaktion "Der Merkur hilft Kindern" den Kinderschutz und Mutterschutz e.V. und insbesondere sein Betreuungsangebot auf dem Paulihof.
Annette Gans
