20.06.2007 | Wörthschule

Gratis-Frühstück für hungrige Schüler

Bericht im Münchner Merkur vom 20.06.2007

Als ein Schüler vor Hunger zusammenbrach, fand Rektor Winter heraus: Jeder zweite seiner Eleven kommt ohne Frühstück in die Schule. Nun gibt es das Essen umsonst. Arbeitende Eltern werden so entlastet.

Es ist 7.30 Uhr an der Wörthschule. In der Küche, die früher ein Klassenzimmer war, nippt der 16-jährige Arian an seinem Tee, legt eine Scheibe Salami auf sein Butterbrot und beißt hinein. Der Kosovo-Albaner ist wieder eine halbe Stunde früher aufgestanden – um mit seinen Klassenkameraden zu frühstücken.

Seit den Osterferien macht der Siebtklässler das regelmäßig. Seitdem gibt es in der Schule ein kostenloses Frühstück, das der Verein „Kinderschutz und Mutterschutz“ anbietet. Eine Gratis-Mahlzeit, die die Eltern der zu 70 Prozent aus dem Ausland stammenden Schüler entlastet.

Die Idee dazu hatte Rektor Martin Winter. Ein Schüler war im Unterricht zusammengebrochen, wegen Unterzucker: Er hatte nicht gefrühstückt. Winter bohrte nach: Eine Umfrage in seinen Klassenzimmern ergab: „Mehr als die Hälfe unserer Schüler nimmt vor dem Unterricht keine feste Nahrung zu sich.“ Dabei predige er seinen Schützlingen doch immer, „dass selbst der beste Motor ohne Benzin nicht funktioniert.“

Den Hauptgrund für die mangelhafte Ernährung sieht Winter nicht darin, dass die Schüler nicht auf ihn und die Lehrer hörten. Schuld sei vielmehr das teure Leben in München. „In vielen Fällen müssen beide Eltern früh raus, um Geld zu verdienen“, sagt er. „Man darf ihnen nicht die Schuld in die Schuhe schieben und sagen, dass sie ihre Kinder vernachlässigen.“

Dass manche Familien von hohen Kosten fast erdrückt werden, bestätigt Christian Eder vom Verein „Kinderschutz und Mutterschutz“, der die Schulsozialarbeit an der Wörthschule trägt. „Es gibt hier schon einige Kinder, die mit einem Taschengeld von 40 Euro im Monat auskommen müssen.“ Das schließt die Verpflegung in der Schule mit ein, mitunter auch das Mittagessen. Doch viele seien „zu stolz, um was umsonst anzunehmen“. Das hat sich geändert, weil jeder Schüler an der Wörthschule umsonst essen kann. „Nun muss sich keiner mehr schämen“, sagt Eder. Das Angebot wird gut angenommen. „Immer mehr Schüler nehmen teil“, sagt Eders Kollegin Martina von Dewitz.

Der 16-jährige Arian etwa hat nur Lob für das Gratis-Frühstück. „Die meisten kommen schon, weil es umsonst ist“, sagt er. „Ich fühle mich andererseits aber auch wirklich fitter im Unterricht. Und zu spät komme ich auch nicht mehr.“ Zudem stärke das gemeinsame Tafeln den Zusammenhalt der Klasse.

Ein Erfolg, den die Schule dem Engagement seiner Mitarbeiter zu verdanken hat. Diese haben die „Münchner Tafel“ als Partner rekrutiert, städtische Stiftungsmittel angezapft und eine Kanzlei gefunden, die die Finanzierung des gemeinnütziges Projekts bis Ende des kommenden Schuljahres sichert.

Die Wörthschule profitiert auch davon, dass sie gleich zwei Schulsozialarbeiter hat. „Sie ist sehr gut versorgt“, sagt Georgine Müller vom Schulamt. Das trifft nun auch aufs Frühstück zu.

Thierry Backes, Münchner Merkur, 20.06.2007