Missbrauch von Männern und Buben noch ein Tabuthema
Stefan Port berichtet über das Angebot einer Beratungsstelle, für das Roche-Mitarbeiter Geld stifteten
Penzberg – Noch immer ist Missbrauch von Männern und Buben ein Tabuthema, sagt Stefan Port. "Ein Junge ist stark, der kann sich doch wehren", bekommt er oft zu hören. Stefan Port ist Sozialpädagoge und Mitarbeiter von "KIBS", einer Kontakt-, Informations- und Beratungsstelle für männliche Opfer sexueller Gewalt in München. Für das Kinderschutz-Angebot haben Roche-Mitarbeiter in Penzberg 1000 Euro gespendet. Auslöser ist ein Fall in Penzberg, der vergangenes Jahr für Aufsehen sorgte. Auch Informationen von Mitarbeitern im Vorfeld haben dazu geführt, "dass wir gesagt haben: Da müssen wir etwas unternehmen", betonte Ursula Steiner vom Roche-Betriebsrat jüngst in der Gaststätte "Zur Schönen Aussicht" in Penzberg. Dort informierten sich die Mitglieder des Vertrauenskörpers der IG BCE über die "KIBS"-Arbeit.
Stefan Port sagte, dass es viele Männer und Buben gibt, die sexuell missbraucht wurden, sich aber niemandem anvertrauen. Gerade sie bräuchten Unterstützung, betonte der Sozialpädagoge. Angeboten wird zum Beispiel eine Musiktherapie. "Hier können die Buben mal so richtig auf die Pauke hauen, stillen Tönen lauschen und versuchen ihre schrecklichen Erlebnisse besser zu verarbeiten", erklärte Port. Manchmal sind es auch die Eltern, die Unterstützung benötigen. "Auch sie brauchen einen Ansprechpartner der ihnen zuhört und bei familiären Problemen ins Haus kommt", meinte Annette Gans. Viele hätten Schlafstörungen oder greifen zu Beruhigungstabletten, da sie den seelischen Druck nicht mehr standhalten können.
Ihr Kollege, Stefan Port, ergänzte: "Väter, deren Söhne missbraucht wurden, sollen genauso Hilfe annehmen, statt sich in der Kneipe mit einem Weißbier seinen Kummer herunterzuspülen."
Die Spende für den Kinderschutz überreichten Matthias Luniak vom Vertrauenskörper der IG BCE bei Roche und Betriebsrätin Ursula Steiner an Annette Gans (Kinderschutz) und Stefan Port, Mitarbeiter der Beratungsstelle "KIBS".
