23.11.2009 | Paulihof

Paulihof: Paten kommen von weit her, um "ihre" Tiere zu besuchen

Bericht in den Aichacher Nachrichten vom 23.11.2009

Kühbach-Unterbernbach. Krümel kann sich auf die faule, faltige Haut legen. Das Hängebauchschwein hat bereits einen Paten gefunden. Für viele andere Bewohner des Paulihofs im Kühbacher Ortsteil Unterbernbach, darunter Pferde, Esel, Hühner, Gänse, Schafe, Ziegen, Hasen, Hunde und Katzen, hieß es am Samstag beim Patentag, sich von der besten Seite zu zeigen. Denn einige der rund 60 Tiere, mit deren Hilfe traumatisierte und vernachlässigte Kinder und Jugendliche therapiert werden, sind noch auf der Suche nach jemandem, der sie unterstützt. Schließlich fallen für die "Co-Therapeuten" laufend Kosten für Ausbildung, tierärztliche Versorgung und natürlich Futter an.

"Wir sind auf diese Hilfe und weitere Spenden dringend angewiesen", betont Hofleiterin Ulrike Heigenmooser beim Patentag. Ohne finanzielle Unterstützung wäre beispielsweise der Bau der Therapiehalle, die im Frühjahr eingeweiht werden soll, nicht möglich gewesen.

Kinder haben Verpflichtungen

Seit mittlerweile vier Jahren arbeitet Heigenmooser mit ihrem pädagogischen Team und einer bunten Tierschar auf dem Hof zusammen, um verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen zu helfen.

Derzeit leben acht Jungen und Mädchen zwischen neun und 15 Jahren auf dem Paulihof. "Die meisten bleiben für mindestens ein Jahr und sind in den Hofalltag voll integriert", so Heigenmooser. Für die Kinder bedeutet das nicht nur, dass sie viel streicheln oder reiten dürfen. Sie müssen auch Verpflichtungen wie Füttern oder Stallmisten nachkommen. Verantwortung zu übernehmen sei ein wichtiger Bestandteil der Therapie, betont Heigenmooser. Mithilfe von Ziegen oder Pferden lernen die Kinder auch, mit Gefühlen und Grenzen umzugehen. "Erschreckt sich zum Beispiel ein Pferd, geht es einfach weg. Das Wunderbare aber ist, dass es auch wieder zurückkommt, sobald es sich beruhigt hat", erzählt die Pädagogin. Heigenmooser weiß, wie wichtig es für die Kinder ist, dass die Tiere nicht nachtragend sind: "Für viele ist es eine völlig neue Erfahrung, dass jemand immer für sie da ist, egal was war."

600 Kilometer weit angereist

Doch auch die Tiere sind auf Hilfe angewiesen. Der Großteil wird laut Heigenmooser bereits von Paten unterstützt. Viele von ihnen nutzten am Samstag die Chance, "ihr" Tier zu besuchen. So auch Familie Hölzl aus München, deren Patenkind Pferd Pinchen ist. "Ich freue mich so sehr, Pinchen heute kennenzulernen", sagt die dreijährige Vroni und erkundigt sich gleich, ob sie beim nächsten Mal vielleicht sogar auf Pinchen reiten darf.

Christine Kröning aus Arnsberg in Nordrhein-Westfalen hat extra die rund 600 Kilometer nach Unterbernbach auf sich genommen, um Ziegenbock Mikka zu sehen. "Hier weiß ich, dass das Geld ankommt, da engagiere ich mich gerne", betont sie. Auf die Idee, den Paulihof finanziell zu unterstützen, kam sie durch die Schlagersängerin Claudia Jung. Diese ist Schirmherrin des Projekts.

Für Heigenmooser ist es wichtig, dass die Paten die Möglichkeit haben, mit den Tieren in Kontakt zu kommen. Ein- bis zweimal im Jahr gibt es diesen speziellen Tag. "Öfter können wir unsere Tore fast nicht öffnen, denn die Kinder leben ja hier und brauchen ihre Privatsphäre, um gesund zu werden", sagt Heigenmooser. Dafür sind die tierischen "Co-Therapeuten" da, die sich für ihre Arbeit und Geduld ein wenig Unterstützung auch verdient haben.

Aichacher Nachrichten, Daniela Fischer