10.05.2010 | Paulihof

Pferde, Hühner und Ziegen zeigen mit Kindern ihr Können

Bei Einweihung wird die neue Therapiehalle zur Zirkusmanege

Bericht in den Aichacher Nachrichten vom 10.05.2010

Kühbach-Unterbernbach Lisa und Lorenz sind ein eingespieltes Team. Geübt balanciert die Neunjährige auf dem Rücken des Ponys, streckt die Arme in die Luft, lacht. Während sie Lorenz’ Hals streichelt, erklärt Lisa: „Am Ende lobe ich ihn immer, wenn er etwas gut gemacht hat.“ Die beiden präsentierten am Samstag gemeinsam mit zahlreichen anderen Tieren und Kindern die neue Longierhalle des Paulihofs in Unterbernbach. Mithilfe der Benefizaktion „Sternstunden“ des Bayerischen Rundfunks ist es der Einrichtung des Kinderschutzes gelungen, die dringend benötigte Therapiehalle zu errichten. Rund 100 000 Euro hat der Bau gekostet.

Doch bevor Pferde, Hühner, Ziegen und Hunde zusammen mit den Kindern ihr Können unter Beweis stellen durften, musste erst einmal das rote Eröffnungsband zerschnitten werden. Stolz übernahm die elfjährige Linda diese Aufgabe. „Wir haben unter uns Kindern ausgelost, da habe ich einfach Glück gehabt“, freute sie sich. Unterstützt wurde die Schülerin dabei von Kühbachs Bürgermeister Johann Lotterschmid und dem stellvertretenden Landrat Peter Feile. Feile betonte, wie stolz der gesamte Landkreis auf diese Einrichtung sei, die „jede Unterstützung wert ist“. Die Arbeit des gesamten Teams lobte auch Bürgermeister Johann Lotterschmid, der eine ganz persönliche Beziehung zum Paulihof hat: „Das war früher das Anwesen meiner Großeltern. Mein Vater wurde hier groß.“ Aus diesem Grund freue sich Lotterschmid besonders, dass dieses in so gute Hände gekommen sei.

Die guten Hände, das sind vor allem die von Paulihof-Leiterin Ulrike Heigenmooser. Zu Tränen gerührt verfolgte sie die Darbietung der Kinder und Jugendlichen. Madeleine und Hengst Apatschi zeigten eindrucksvoll, wie gut Mensch und Tier nach intensivem Training miteinander harmonieren können. Ohne Halfter folgte Apatschi der Jugendlichen auf Schritt und Tritt. „Vor einiger Zeit noch undenkbar, dass sich die beiden so aufeinander einlassen“, so Heigenmooser. Sie sei stolz, an diesem Tag einen so gelungenen Einblick in ihre Arbeit geben zu können.

Für die Therapie der neun verhaltensauffälligen Kinder und Jugendlichen, die derzeit auf dem Paulihof leben, sei die neue Halle dringend notwendig gewesen. „Sie bewahrt nicht nur vor schlammigen Boden bei Regen, sondern bietet gleichzeitig auch einen geschützten Rahmen für unsere Übungen“, erklärte die Pädagogin. Auf diese Weise könnten sich die Kinder leichter öffnen und ganz auf den Umgang mit den Tieren einstellen. Dass diese die besten Helfer sein können, wenn es darum geht, Nähe zuzulassen, betonte auch Schirmherrin Claudia Jung. Die Schlagersängerin und Landtagsabgeordnete hoffte an diesem Tag außerdem auf neue Paten für die rund 60 Tiere des Paulihofs.

„Manege frei“

Diese zeigten sich von ihrer besten Seite, als es in der neuen Halle „Manege frei“ hieß. Beim „Dogdancing“ mussten Hunde und Kinder Taktgefühl beweisen. Und wer behauptet, Hühner seien dumm, der hat die des Paulihofs noch nie beim Parcourslauf beobachtet. „Wir sind hier aber kein Zirkus“, scherzte Heigenmooser. Trotzdem sollen auch in Zukunft Übungen trainiert werden, die dann Gästen vorgeführt werden können. Talente gibt es auf dem Paulihof dafür zweifellos zur Genüge.

Aichacher Nachrichten, Daniela Fischer
Paulihof Halleneinweihung
Foto: Daniela Fischer
Beim "Dogdancing" waren Rhythmusgefühl und viele Leckerlis gefragt.