Sich Hilfe zu holen, ist kein Stigma mehr

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Münchner Merkur, 8.Juni 2018

Jugendsozialarbeit an Mittelschule feiert zehnjähriges Bestehen

Mobbing, Gewalt oder Streit zuhause: Leider sind immer mehr Schüler in ihrem Alltag mit Konflikten konfrontiert. Die Sozialpädagoginnen Yvette Dumont und Daniela Schindlbeck nehmen sich der Probleme der Schüler an der Indersdorfer Mittelschule an. Dort gibt es die Jugendsozialarbeit (JaS) seit nunmehr zehn Jahren.

Von Nathalie Neuendorf

Markt Indersdorf – Noch vor rund zehn Jahren musste er hart dafür kämpfen: Aber am 21. Januar 2008 gelang es dem damaligen Schulleiter Martin Güll schließlich, die Jugendsozialarbeit (JaS) an die Indersdorfer Mittelschule zu holen. Mit Yvette Dumont (44) gewann das Kollegium eine ausgebildete Sozialpädagogin in Vollzeit dazu. Im Juni 2015 bekam die 44-Jährige mit der ausgebildeten Sozialpädagogin Daniela Schindlbeck (47), die halbtags in der Mittelschule arbeitet, eine zweite Kraft als Unterstützung.

Zehn Jahre JaS sowie ihr zehnjähriges Dienst-Jubiläum an der Mittelschule Indersdorf feierte Yvette Dumont am vergangenen Dienstag gemeinsam mit Kollegin Daniela Schindlbeck, Rektorin Petra Fuchsbichler und Arnold Schweitzer, dem Bereichsleiter für Bildung, Beratung und Erziehung vom Kinderschutz München, sowie einigen geladenen Gästen.

Heute besuchen rund 430 Schüler die Mittelschule am Wittelsbacherring. Die Zahl der Schüler, die hiervon in den vergangenen zehn Jahren die Jugendsozialarbeit in Anspruch nahmen, kennt Arnold Schweitzer ganz genau: „Es gab 918 Einzelfälle. Hiervon waren 57 Prozent der Schüler männlich und 43 Prozent weiblich.“

Bei der Jugendsozialarbeit handele es sich um ein freiwilliges Angebot, auf das die Schüler unter dem Deckmantel der Vertraulichkeit selbst zurückkämen, erklärt Arnold Schweitzer. Dabei gehe es vor allen Dingen darum, dass sich die Probleme der Schüler nicht verfestigen.

Die Sozialpädagoginnen arbeiten außerdem eng mit anderen Einrichtungen zusammen. Dazu zählen unter anderem das Jugendamt, aber auch die Betreuer von ambulanten Jugendhilfen. „Natürlich sind wir von der JaS für den Schüler da. Aber ein entscheidender Punkt ist auch das Weitervermitteln an andere geeignete Stellen, die teilweise mehr Ressourcen zur Verfügung haben als wir, um den Schülern zu helfen“, sagt Schweitzer.

Petra Fuchsbichler weiß, dass die Arbeit der JaS an bayerischen Mittelschulen in den vergangenen Jahren zur Selbstverständlichkeit wurde: „Die Frage ist inzwischen nicht mehr: ,Gibt es JaS hier?‘ – sondern vielmehr: ,Wer ist hier von der JaS zuständig?‘“, sagt die Rektorin und lacht. So gibt es bayernweit inzwischen 1154 JaS-Einsatzorte, auf die sich 855 Vollzeitstellen verteilen.

Die Anwesenden freuten sich über die Schaffung vieler neuer Stellen auf diesem Bereich. Jedoch sind sich auch alle einig, dass die Arbeit der Jugendsozialarbeit schon in der Grundschule – wenn nicht sogar im Kindergarten beginnen müsste. „Das, was die JaS hier in der fünften Klasse auffangen muss, wurde meiner Meinung nach in den Jahren zuvor schon versäumt. Man kann oft viel früher eingreifen“, sagt Petra Fuchsbichler.

So sei auch der Bedarf für die Hilfe der Jugendsozialarbeit bei den Schülern in den letzten Jahren gewachsen, wie Arnold Schweitzer erklärt. Dem stimmt auch Rektorin Fuchsbichler zu: „Es ist kein Stigma mehr, dass man sich Hilfe holt!“ Auch wenn die Arbeit oftmals viel ist, würden sowohl Yvette Dumont als auch Daniela Schindlbeck ihren Beruf ohne zu zögern ein zweites Mal ergreifen. Ihre Arbeit an der Mittelschule sei von viel Beständigkeit und Verlässlichkeit geprägt gewesen, sagt Yvette Dumont. Die 44-Jährige hofft, dass die Zusammenarbeit auch in Zukunft so gut verläuft. Denn bald stehe ein großer Kollegiumswechsel sowohl bei der Jugendhilfe als auch bei den Mittelschullehrern an, erklärt sie.

Für die Zukunft haben alle vor allem ein Ziel: „Wir sind sehr glücklich, wenn wir unsere jetzige Arbeit auch so fortsetzen können“, erklärt Arnold Schweitzer. „Zwar wären mehr Mitarbeiter immer schön, aber hier in Indersdorf sind wir – was die Personalressourcen angeht – doch recht gut gestellt.“