30 Jahre soziale Arbeit für Familien in der Freimanner Heidemannstraße

Erziehungsbeistandschaft

München, 13. November 2020. Vor 30 Jahren ist in der Heidemannstraße in Freimann erstmalig sozialpädagogische Familienhilfe, der Vorläufer der heutigen ambulanten Erziehungshilfe (AEH), direkt im Viertel initiiert worden, um Familien vor Ort schneller und niedrigschwelliger helfen zu können.

Wenn Werner Schuller, Teamleitung Ambulante Erziehungshilfe Schwabing/Freimann beim KINDERSCHUTZ MÜNCHEN, aus dem Fenster seines Büros schaut, blickt er auf die im Umbau befindliche Bayernkaserne, wo aktuell Wohnraum für rund 15.000 Menschen entsteht. Zum Zeitpunkt der Gründung der Außenstelle des KINDERSCHUTZ MÜNCHEN am 1. Oktober 1990 in der Freimanner Heidemannstraße waren dort noch Truppen stationiert – ein lebhaftes Beispiel für die ständige Bewegung für die Bewohner*innen im Stadtteil.

Regionale Versorgung in der Heidemannstraße

Drei Sozialpädagog*innen konnten hier damals ihre Arbeit für den gesamten Münchner Norden aufnehmen: sozialpädagogische Familienhilfe regionalisiert direkt vor Ort im Stadtviertel. Die neue Außenstelle war zu diesem Zeitpunkt die einzige Einrichtung mit dieser regionalisierten Ausrichtung in München; alle weiteren Träger, die Hilfen zur Erziehung anboten, waren jeweils für ganz München zuständig.

In erster Linie hat die sozialpädagogische Familienhilfe Familien aus der Region Freimann auf Basis eines Hilfeplans vom Stadtjugendamt unterstützt. „Wir können direkt vor Ort einfach besser und schneller helfen. Zudem müssen Familien, die ohnehin schon mit Herausforderungen zu kämpfen haben, auf diese Weise nicht auch noch quer durch die Stadt fahren, um Unterstützung zu erhalten“, erläutert Schuller die Vorteile der Regionalisierung. „Gleichzeitig ging es darum, die Menschen in ihren sozialen Bezügen und Lebensbedingungen zu betreuen.“ Mit Blick auf die soziale Struktur der Bevölkerung, ihre Bedarfe im Viertel und stets mit dem Ziel, mit niedrigschwelligen Angeboten möglichst viele Menschen zu erreichen, entstanden im Rahmen der sozialen Gruppenarbeit weitere breit gefächerte Angebote wie eine türkische Frauengruppe, Familienfrühstück, Kinder- und Jugendkino oder ein Bauwagenprojekt, in dem 2000 ein Freizeittreff eröffnet wurde. Mit der Zeit entwickelte sich eine flächendeckende Angebotsstruktur für den Stadtteil Freimann – häufig in Kooperation mit anderen Trägern wie ANAD, ASD, BIB, Caritas, Dt. Rheumaliga, Interessensgemeinschaft Dialyse, Schülerhilfe u.v.m. „Neben der intensiven Einzelfallarbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien, in der wir stets die Gesamtsituation betrachten, wollen wir mit unserer Arbeit Partizipation und Zugehörigkeit zum Stadtviertel schaffen, damit die persönliche Lebenssituation stabilisieren und feste soziale Bezüge ermöglichen“, erklärt Elke Stamminger, Fachleitung Stadtteilangebote Schwabing/Freimann beim KINDERSCHUTZ MÜNCHEN das Konzept der sozialen Arbeit im Lebensumfeld der Bewohner*innen im Stadtteil. Auch die Bewohnerbetreuung Heidemannstraße, ein Angebot des KINDERSCHUTZ MÜNCHEN für die Nachbar*innen im Stadtviertel, unterstützte dieses Ziel von Anfang an: Bewohner*innen aus dem Stadtviertel konnten im Rahmen dieses Angebots Räumlichkeiten der Heidemannstraße für nachbarschaftliche Aktivitäten und Aktionen nutzen.

Seit 2000: Ambulante Erziehungshilfe (AEH) sichert Kinderschutz und unterstützt die Chancengleichheit

Mit dem Stadtratsbeschluss 1999, der die Regionalisierung und Flexibilisierung in der Jugendhilfe vorsah, wurden aus der sozialpädagogischen Familienhilfe, den bestehenden Erziehungsbeistandsschaften und der sozialen Gruppenarbeit 2020 die ersten regionalen AEH-Teams gebildet – mit dem Ziel, direkt vor Ort Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und deren Eltern zu betreuen, wenn ihre Lebenslage bei besonderen Herausforderungen im familiären Alltag eine intensive Begleitung und Beratung erfordert. Die zentrale Aufgabe besteht darin, den Kinderschutz zu sichern – damit Kinder und Jugendliche gesund und geschützt in ihren Familien aufwachsen können. Die wichtigsten Themen sind Konflikte und Schwierigkeiten in der Familie, Schulprobleme, Entwicklungsschwierigkeiten, häusliche und sexuelle Gewalt, Unsicherheiten bei der Erziehung, Probleme in der Partnerschaft etc. „Lern- und Schulprobleme können auf vielfältige Schwierigkeiten in der Familie hinweisen und sind daher ein wichtiger Fokus in der ambulanten Erziehungshilfe. Mit der richtigen Unterstützung wird mehr Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit geschaffen und die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen gestärkt“, erläutert Prof. Dr. Hermann Sollfrank, Präsident der Katholischen Stiftungshochschule München und Mitglied des Aufsichtsrats des KINDERSCHUTZ MÜNCHEN.

Der KINDERSCHUTZ MÜNCHEN ist heute in fünf Sozialregionen Münchens mit ambulanter Erziehungshilfe vor Ort aktiv: Au/Haidhausen/Bogenhausen, Feldmoching/Hasenbergl, Milbertshofen/Am Hart (Harthof, Ramersdorf/Perlach und Schwabing/Freimann. Seit 2002 gibt es auch eine spezialisierte ambulante Erziehungshilfe für Münchner Familien mit gehörlosen oder schwer hörbehinderten Mitgliedern. „Bei uns können die Familien ihre Probleme vollkommen barrierefrei kommunizieren“, so Gabriele Hageneder-Hinz, Fachleitung Ambulante Erziehungshilfe. „Unsere hörbehinderten und hörenden pädagogischen Fachkräfte beherrschen die Deutsche Gebärdensprache sowie internationale Gebärden. Sie verfügen über fundiertes Wissen zur Kultur und Lebenswelt sowie zu den besonderen Herausforderungen hörbehinderter Menschen und Kodas.“

In der Außenstelle in der Heidemannstraße liegt der Fokus der AEH Schwabing/Freimann weiterhin auf dem Stadtviertel Freimann, der ursprünglichen Modellregion. Dort wurde und wird mehr und mehr Wohnraum geschaffen, die aktuelle Umgestaltung der Bayernkaserne birgt neue Herausforderungen. Der Ausbau und die Weiterentwicklung der Angebote werden stetig fortgeführt. Neben den nach Hilfeplan des Jugendamts betreuten Familien werden vielfältige, offene Angebote, die für alle zugänglich sind, bereitgehalten. „Es geht um die Balance zwischen den spezialisierten ambulanten Erziehungshilfen für Familien mit besonderem Unterstützungsbedarf und niedrigschwelligen Angeboten für alle Stadtteilbewohner*innen“, erläutert Dr. Anna Laux, geschäftsführende Vorständin, das Ziel, ein friedliches, solidarisches Zusammenleben und mehr Chancengleichheit in einem guten sozialen Umfeld zu fördern.

Wir ermöglichen Zukunft.

Der KINDERSCHUTZ MÜNCHEN ist ein überkonfessioneller und parteipolitisch ungebundener Träger der Kinder- und Jugendhilfe, Träger von Einrichtungen der Kindertagesbetreuung sowie Vormundschafts- und Betreuungsverein mit Sitz in München. Mit vielfältigen Angeboten trägt der im Jahr 1901 gegründete gemeinnützige Verein dazu bei, dass Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Familien ihr Leben selbstbestimmt in die Hand nehmen und sich aktiv an der Gesellschaft beteiligen. Die Angebote der über 50 Einrichtungen in und um München umfassen ambulante Erziehungshilfe, Beratung bei sexuellem Missbrauch, Migrationsangebote, soziale Arbeit an Schulen, Stadtteilangebote, stationäre Erziehungsangebote, betreute Wohnformen, Kindertageseinrichtungen sowie Vormundschaften und rechtliche Betreuungen.

Weitere Informationen:

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Kontakt:
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