Hilfestellung für junge Menschen

Heilpädagogische Tagesstätte KINDERSCHUTZ MUENCHEN

Karlsfeld – Ihr 40-jähriges Bestehen feierte die Heilpädagogische Tagesstätte des Kinderschutz München. Seit dem Jahr 2011 ist sie in Karlsfeld in der Ohmstraße 12 angesiedelt, davor wurden die Kinder in Dachau betreut.

Seit vier Jahrzehnten betreut der Kinderschutz München im Landkreis Dachau Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf. Nun wurde Jubiläum gefeiert und die Gelegenheit genutzt, die tägliche Arbeit der Heilpädagogischen Tagesstätte einem breiten Publikum vorzustellen.

„Unterstützt werden Heranwachsende, die aufgrund ihrer seelischen Gesundheit besonderer Hilfestellung bedürfen“, so Arnold Schweitzer, Bereichsleiter des Kinderschutzes München. Die 33 Kinder und Jugendlichen sind auf Altersbasis in drei Gruppen unterteilt. „Es gibt eine Vorschulgruppe, die einem Regelkindergarten gleicht, zwei Schulgruppen für Kinder im Grundschulalter und seit 2015 auch eine Schulgruppe für Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren, da uns aufgefallen ist, dass es in dieser Altersklasse eher ein spärliches Angebot an heilpädagogischer Betreuung gibt“, erzählt Schweitzer weiter.

Doch wie darf man sich die Arbeit in der Tagesstätte denn vorstellen? „Zu uns kommen Kinder, bei denen ein Förderbedarf im sozialen und emotionalen Bereich durch ein psychiatrisches Gutachten festgestellt und bestätigt wurde“, so der Familientherapeut und Diplom-Pädagoge Thomas Reinsdorf, der seit 27 Jahren, 25 davon als Teamleiter, in der Einrichtung aktiv ist. „Diese Kinder haben Schwierigkeiten, sich in eine Gruppe zu integrieren, eine niedrige Frustrationsgrenze, häufige Wutausbrüche und allgemeine Lernschwierigkeiten. Häufig stehen diese Symptome in Zusammenhang mit ADS, ADHS, Legasthenie oder traumatischen Erlebnissen.“

Die Kinder, mit Ausnahme der Vorschulgruppe, kommen nach der Schule durch private Fahrdienste in die Tagesstätte, wo sie von acht Fachkräften sowie einem psychologischen und einem pädagogischen Fachdienst betreut werden. Auf der Agenda stehen ein gemeinsames Mittagessen, die Erledigung der Hausaufgaben sowie Einzelgespräche mit den Schützlingen, in denen Konflikte und belastende Situationen zur Sprache gebracht und aufgearbeitet werden. „Die meisten Kinder kommen aus Mittel- und Förderschulen und brauchen einen Gruppenalltag mit Struktur“, so Reinsdorf. „Unser Ziel ist es, die Kinder nicht zu knebeln, sondern sie zu fördern, ihre Potenziale zu erwecken und ihnen Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.“ Die meisten Betreuten würden zwei bis drei Jahre in der Tagesstätte bleiben, ihr Fortschritt würde regelmäßig überprüft, denn „bei den Vorschulkindern übernimmt der Bezirk, bei den Schulgruppen das Jugendamt die Kosten“, teilt Reinsdorf mit.

„Es gibt Eltern, die ihre Kinder unbedingt im Jahr vor deren Einschulung in der Tagesstätte unterbringen wollen. Doch hier fehlt ein pädagogischer Mehrwert für die Kinder, deshalb lehnen wir es ab“, so Reinsdorf, der auch auf eine umfassende Einbindung der Eltern in den pädagogischen Prozess setzt. Die Eltern würden immer wieder zu einem persönlichen Gespräch vorbeikommen, der Kontakt zu den Schulen werde aber schon großteils per E-Mail abgewickelt.

In seiner 27-jährigen Tätigkeit konnte Reinsdorf viele Veränderungen beobachten: „Familiensysteme werden immer unterschiedlicher und Mediensysteme immer komplexer. Es kommt zu einer totalen Reizüberflutung schon bei den Heranwachsenden, und die Tendenz geht dazu, dass sich immer mehr die Ellenbogen durchsetzten.“

Quellenangabe: Dachauer Nachrichten vom 20.06.2018, Seite 36