Zwischenmenschliche Beziehungen nicht vernachlässigen in der Sorge um das Virus

Wohngruppe Sozialtraining

München, 17. April 2020. Weiterführende Schulen werden für Kinder und Jugendliche in Bayern frühestens am 27. April bzw. 11. Mai wieder öffnen, Grundschulen und Kindertageseinrichtungen bleiben bis auf weiteres geschlossen. Die einzelnen Schritte bis zur vollständigen Öffnung insbesondere der Grundschulen und Kitas sind noch nicht geklärt.

Virologischer Kinderschutz

Dank der Verlängerung der Schließung werden die Kleinen so am besten geschützt vor dem Virus und das Übertragungsrisiko wird minimiert. Es ist klar, dass strenge Hygieneregeln bei den Kleinen und Kleinsten unserer Gesellschaft noch nicht ganz optimal klappen – zumal in Grundschulen häufig nur kaltes Wasser, keine Seife und kein Toilettenpapier zur Verfügung stehen. Der Kinderschutz aus virologischer Sicht ist so bestmöglich garantiert. Aus jetziger Sicht wird hier allerdings die familienorientierte Perspektive deutlich vernachlässigt.

Vertrauen und zwischenmenschliche Beziehungen als Fundament für eine gesunde Zukunft

Die virologische Perspektive ist für unsere weitere Zukunft essentiell. Zum anderen ist aber auch eine familienorientierte Betrachtung der aktuellen Situation der Menschen notwendig. Kinderschutz darf nicht nur die physische Gesundheit angehen, es müssen auch psychosoziale Aspekte berücksichtigt werden, damit Kinder in diesen schwierigen Zeiten weiterhin Vertrauen in ihre Umwelt und letztlich in sich selbst haben. Der KINDERSCHUTZ MÜNCHEN achtet auf das familiäre Wohl unter Berücksichtigung der virologischen Perspektive. Deswegen sind unsere Einrichtungen und Angebote weiterhin erreichbar und unsere pädagogischen Fachkräfte stehen in ständigem telefonischem Kontakt mit den Familien, um Eltern, Elternteilen und den Kindern die Angst zu nehmen, Sorgen ernst zu nehmen, Verhaltenshinweise zur Deeskalation zu geben. Zwischenmenschliche Beziehungen trotz Distanz sind eine große Herausforderung und sollten jetzt umso mehr berücksichtigt werden.

Kinder und Jugendliche haben einen besonderen Schutzbedarf

Die Kinder zuhause – das bedeutet für alle Eltern, die keine systemrelevanten Berufe haben, dass sie sich weiterhin abwechseln müssen bei der Kinderbetreuung bzw. ein Elternteil – häufig die hinzuverdienende Frau – zuhause bleiben wird. Die noch größere Herausforderung haben allein sorgende Mütter oder Väter zu meistern, die in nicht-systemrelevanten Berufen tätig sind und keine Möglichkeit für Alternativen haben. Hinzu kommt die weiterhin bestehende Ausgangsbeschränkung verbunden mit weiterhin geschlossenen Kinderspielplätzen, Schwimmbädern und anderen Gelegenheiten, außerhalb der vier Wände Luft und Kraft zu tanken und die Kinder sich austoben zu lassen – die Familien werden in ihren Wohnungen festgehalten. „Je länger die Kinder und Jugendlichen daheim sind, umso schwieriger wird die Situation“, weiß Dr. Anna Laux, geschäftsführender Vorstand des KINDERSCHUTZ MÜNCHEN. „Die Wohnung wird zu eng, vielfach kommen Kurzarbeit und große Sorgen um die Existenz hinzu. Hier müssen wir besonders aufpassen.“ Besonders sozial schwache Familien sind überfordert. Aber auch Familien in Notquartieren für Obdachlose und Familien mit Fluchthintergrund in den Gemeinschaftsunterkünften und AnKER-Zentren leben extrem beengt. Sie haben so gut wie keine Chance, sich vor Infektionen aufgrund der räumlichen Enge zu schützen. Familien mit Fluchthintergrund können kaum auf sich aufmerksam machen. Hinschauen und Hinhören durch Nachbarn, Verwandte und Freundeskreis, die dann Hilfe holen können, entfällt hier. Zudem finden kaum noch Beratungsangebote vor Ort statt. Häusliche Gewalt bis zur Kindeswohlgefährdung sind mögliche Folgen. Denn es entstehen größere Gefahrensituationen für ohnehin schon gefährdete Kinder und Jugendliche, die sich nun längere Zeit zuhause aufhalten.

Notbetreuung nach Dringlichkeit erweitern

„Die Ausweitung der Notbetreuung in Kindergärten und Schulen für Eltern und Elternteile mit besonderem Bedarf kann die Situation zu Hause deutlich entspannen“, empfiehlt Laux. „Wir alle tragen eine besondere Verantwortung für das Kindeswohl. Fürsorge, Schutz, Sicherheit und Gesundheit muss für alle gleichermaßen ermöglicht werden.“ Kinder, die im Moment kaum oder gar keinen Kontakt nach außen zu ihrer Umwelt haben, haben keine Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen oder sich Hilfe zu holen. Der KINDERSCHUTZ MÜNCHEN empfiehlt, hier im Moment besonders hinzuschauen und hinzuhören – in der Nachbarschaft, Verwandtschaft und im Freundeskreis.

Wir ermöglichen Zukunft.

Der KINDERSCHUTZ MÜNCHEN ist ein überkonfessioneller und parteipolitisch ungebundener Träger der Kinder- und Jugendhilfe, Träger von Einrichtungen der Kindertagesbetreuung sowie Vormundschafts- und Betreuungsverein mit Sitz in München. Mit vielfältigen Angeboten trägt der im Jahr 1901 gegründete gemeinnützige Verein dazu bei, dass Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Familien ihr Leben selbstbestimmt in die Hand nehmen und sich aktiv an der Gesellschaft beteiligen. Die Angebote der über 50 Einrichtungen in und um München umfassen ambulante Erziehungshilfe, Beratung bei sexuellem Missbrauch, soziale Arbeit an Schulen, Stadtteilangebote, stationäre Erziehungsangebote, betreute Wohnformen, Kindertageseinrichtungen sowie Vormundschaften und rechtliche Betreuungen.

Weitere Informationen:

www.kinderschutz.de

 

Kontakt:
Beate Zornig
Öffentlichkeitsarbeit
KINDERSCHUTZ MÜNCHEN
Tel +49 (0)89 23 17 16 – 9923
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