20.08.2007 | KIBS

Auch "Indianer" kennen Schmerzen

Bayerische Beratungsstellen rüsten sich für die Betreuung sexuell missbrauchter Jungen

Information des Kinderschutz und Mutterschutz e.V. vom 20.08.2007

Jeder siebte bis zehnte Junge ist statistisch gesehen Opfer von sexueller Gewalt. In München ist die Kontakt-, Informations- und Beratungsstelle für männliche Opfer sexueller Gewalt - kurz kibs – seit rund acht Jahren Anlaufstelle für betroffene Jungen und deren Familien. Ein Team aus sozialpädagogischen, therapeutischen und psychologischen Fachkräften bietet den betroffenen Jungen ein breit gefächertes Hilfsangebot – von Beratungsgesprächen über längerfristige Begleitung, Vermittlung medizinischer, therapeutischer, juristischer Unterstützung bis hin zu Eltern- und Selbsthilfegruppen, Internetforen etc..

Bislang war kibs bayernweit die einzige Beratungsstelle für männliche Opfer sexueller Gewalt. Um in Zukunft über die Grenzen der Landeshauptstadt München hinaus Hilfe für Opfer zu gewährleisten, initiierte das Bayerische Sozialministerium nun ein Modellprojekt: In den nächsten zwei Jahren werden landesweit Erziehungsberatungsstellen und Beratungsstellen wie etwa der Frauennotruf für die Betreuung von sexuell missbrauchten Jungen qualifiziert. Federführend in der Umsetzung des Projektes, das Staatssekretär Jürgen Heike Ende Juli in München vorstellte, ist die Beratungsstelle kibs des Kinderschutz und Mutterschutz e.V..

40.000 Euro investiert das Sozialministerium in den kommenden zwei Jahren in die Realisierung des Modellprojektes sowie in die wissenschaftliche Begleitung durch das Deutsche Jugendinstitut (DJI). Ziel der Weiterbildung ist es, dass jeder Junge, dem sexuelle Gewalt widerfahren ist, in seiner Heimatregion eine qualifizierte Anlaufstelle findet. Da nicht jeder Betroffene sich als Opfer er- und bekennt und schon gar nicht jeder aus eigener Initiative eine Beratung aufsucht, gilt es unter anderem im Rahmen der Erziehungshilfe sensibel mit Verdachtsmomenten umzugehen: Nicht selten muss sexueller Missbrauch als mögliche Ursache für auffälliges Verhalten von Jungen in Betracht gezogen werden. Regionale Erziehungsberatungsstellen sind daher eine Hauptzielgruppe der Weiterbildungsmaßnahmen. Der Frauennotruf ist eine weitere Kontaktstelle, an die missbrauchte Jugendliche und Angehörige sich wenden können – die Ansprechpartner dort bieten jedoch bisher keine jungenspezifische Betreuung an und werden im Zuge des Modellprojektes dafür qualifiziert.

Im Rahmen von vier Weiterbildungsmodulen baut kibs geschlechtsspezifisches Fachwissen bei den Beratungsstellen in der Region auf. In einem ersten Schritt wurden Fachkräfte aus den regionalen (Erziehungs-) Beratungsstellen bereits während eines eintägigen Seminars für das Thema sexuelle Gewalt gegen Jungen sensibilisiert und mit den geschlechtsspezifischen Grundlagen vertraut gemacht. In drei weiteren Modulen werden die Basisqualifikationen vertieft und ausgebaut. Die Sensibilisierung für mögliche Gefährdungsszenarien und Täterstrategien stehen dabei ebenso im Fokus wie die Vermittlung adäquater Handlungsstrategien beispielsweise zur Verdachtsabklärung und individuellen Fallbetreuung. Juristische Hintergründe und Aspekte der Netzwerkarbeit ergänzen das Schulungsprogramm. Die geschulten Fachkräfte sind schließlich in der Lage, betroffenen Jungen und Familien einfühlsame und qualifizierte Ansprechpartner zu sein und ihnen in dieser belastenden Situation gezielt zu helfen. Das Fachteam von kibs steht den beratenden Institutionen bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite.

Kinderschutz und Mutterschutz e.V.