Tiergestützte Erziehungsangebote

Mensch und Tier verbindet seit Urzeiten eine besondere Beziehung. Tiere haben einen positiven Einfluss auf unser Wohlbefinden. Sie können uns das Gefühl der Geborgenheit geben, uns trösten oder uns einfach nur Gesellschaft leisten. Heilende Pädagogik mit Tieren macht sich diese besondere Beziehung zu Nutze und hilft Kindern und Jugendlichen mit seelischen Verletzungen. Sie ermöglicht neue Erfahrungen und fördert Prozesse körperlicher, emotionaler und sozialer Entwicklung und Gesundung.

Heilende Pädagogik mit Tieren im KINDERSCHUTZ MÜNCHEN

Heilende Pädagogik mit Tieren_traumatisierte Kinder_Paulihof

Der Paulihof – Heilende Pädagogik mit Tieren bietet zwei stationäre heilpädagogisch-therapeutische Wohngruppen für jeweils 7 Kinder. Der Hof besteht aus dem Wohnhaus, in dem die Kinder leben, verschiedenen Ställen, Wirtschaftsgebäuden, Weiden und der Sternstundenhalle. Hier arbeiten Tiere als Co-Therapeuten mit Kindern und Jugendlichen, die das Vertrauen in sich, die Menschen und ihre Umwelt verloren haben. Die rund 60 Tiere sind die Brücke, die die jungen Menschen aus ihrer Isolation führt.

Unsere Angebote

Ambulante Angebote
Heilende Pädagogik mit Tieren

Zielgruppe

In jeder Wohngruppe werden 7 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 8 und 16 Jahren betreut, die in ihrem Lebensalltag schwer beeinträchtigt sind. Viele von ihnen haben sich emotional so verschlossen, dass sie über die kognitiv-verbale Ebene nur noch schwer oder gar nicht mehr zu erreichen sind. Die tiergestützte Pädagogik bietet sich als eine bewährte, sehr intensive Hilfeform an, die Kinder und Jugendlichen wieder in Beziehung zu anderen Menschen bringt. Die Hilfe ist über einen längeren Zeitraum angelegt, nicht selten über mehrere Jahre.

Zielsetzung der stationären Wohngruppe

Wir arbeiten gemeinsam an Zielen wie…

  • Schutz und Deeskalation der Familiendynamik
  • Psychische Stabilisierung
  • Konstruktive Bewältigung von altersspezifischen Entwicklungsaufgaben
  • Soziale Integration und Förderung der sozialen Teilhabe
  • Unterstützung bei der Verarbeitung von traumatischen Erfahrungen
  • Fortsetzung oder Entwicklung einer schulischen / beruflichen Perspektive
  • Aufbau von Frustrationstoleranz, Belastbarkeit und Handlungskompetenz
  • Entwicklung und Stärkung der Selbsthilfepotenziale
  • Entwicklung und Stärkung der eigenen Identität

Immer versuchen wir, die Eltern und andere wichtige Bezugspersonen der Kinder und Jugendlichen so weit wie möglich mit einzubeziehen, denn oberstes Ziel ist die Rückführung in die Familie

Zielsetzung Heilende Pädagogik mit Tieren

Die Arbeit mit den Tieren bietet die Möglichkeit, die Kinder und Jugendlichen in unterschiedlichen Bereichen besonders zu fördern. 

  • Körper- und Sinneswahrnehmung
  • Selbstwahrnehmung und -bewusstsein
  • emotionale und soziale Kompetenzen
  • kognitive Kompetenzen und Lernverhalten
  • Verantwortungsbewusstsein, Strukturfähigkeit und Durchhaltevermögen

Angebote

Die heilpädagogischen bzw. therapeutischen Angebote werden individuell ausgestaltet und orientieren sich an den jeweiligen Förder- und Entwicklungszielen, den Lebensumständen und den Fähigkeiten des jungen Menschen.

Die Bezugssysteme des jungen Menschen, wie z.B. dessen Familie, werden aktiv in die Arbeit eingebunden. Schwerpunkt ist hierbei die intensive Elternarbeit, z.B. Elternwochenenden auf der Hofstelle. Die Abklärung und ggf. eine Begleitung der Rückführung in die Familie sind obligatorisch. Ob ein Kind bzw. ein Jugendlicher in seine Familie zurückkehrt, ist von der jeweiligen Entwicklung sowohl des jungen Menschen als auch seiner Familiensituation abhängig.

Die schulische Förderung erfolgt in enge Abstimmung mit den örtlichen Schulen, ggf. ist eine Hausbeschulung zeitweise möglich oder eine Schulbegleitung zur unmittelbaren Unterstützung.

Wohnen im Familienhaus

Die Kinder beider Wohngruppen des Paulihofs leben in jeweils einem Einfamilienhaus.

Ein geschützter Lebensrahmen als soziales Lernfeld

Die individuelle Lebensgestaltung in unseren Häusern lässt die Kinder und Jugendlichen die Notwendigkeit von Regeln im Zusammenleben erfahren. Sie bietet den Rahmen zur gemeinsamen Bewältigung des Alltags. Durch die Übernahme von Aufgaben sollen Arbeitsteilung und Verantwortung für die Gruppe erlernt werden. Die überschaubare Größe der Wohngruppe lässt den schnellen Aufbau von gegenseitigem Vertrauen zu, bietet einen geschützten Lebensrahmen und erleichtert die Identifikation mit der Gruppe.

Eckpunkte unserer Arbeit

  • Betreuungsumfang: 365 Tage im Jahr, 24 Stunden täglich
  • Multidisziplinäres Team von pädagogischen Fachkräften, dem psychologischen Fachdienst und einer Hauswirtschaftskraft
  • Einzelfallarbeit – Bezugsbetreuung – Gruppenarbeit
  • tiergestützte Pädagogik und Therapie
  • Partizipation: Einbeziehung der Kinder und Jugendlichen
  • Systemische Eltern- und Familienarbeit
  • Intensive Arbeit an und mit Ressourcen im heilpädagogisch- therapeutischen Setting

Partizipation

Die Mitsprache, Mitwirkung und Mitbestimmung sowohl der Kinder und Jugendlichen als auch deren Eltern ist ein wichtiges Handlungsprinzip der Stationären Erziehungsangebote. Der Erfolg der Unterbringung in der Wohngruppe ist stark abhängig von der Akzeptanz der Maßnahme durch den jungen Menschen und seine Familie. Wir verstehen Partizipation als ein Mittel mit den Kindern, Jugendlichen und Eltern die Hilfe und das Umfeld bedarfsgerechter und passgenauer zu gestalten. Dies wird durch eine nachhaltige und strukturelle Verankerung von Beteiligung erreicht, die für alle Akteure transparent ist. Beteiligung ist gerade bei der Entwicklung der persönlichen Förderziele wichtiges Prinzip, aber auch bei der Gestaltung der Wohngruppe. Die Kinder und Jugendlichen sowie ihre Eltern erleben hier einen Umgang auf Augenhöhe. Vor allem die Kinder und Jugendlichen übernehmen eine aktiv selbstbestimmt gestaltende Rolle, sie lernen Konflikte angstfrei auszutragen und entwickeln Kompetenzen zur positiven Auseinandersetzung. Den Mut zu entwickeln, sich einzumischen und eine eigene Meinung zu äußern ist uns besonders wichtig und förderungswürdig.

Dies ermöglichen wir beispielsweise durch:

  • Die Wahl von Gruppensprechern und Vertrauenspersonen als Vertreter*in der WG
  • Ein fest verankertes Beschwerdesystem
  • Den Einbezug in die Planung des Alltags, verantwortliche Übernahme von Teilbereichen
  • Foren schaffen für Partizipation, z.B. Kinder/Jugendlichen- Konferenz, Kinder – Pädagogen- Team, Elternveranstaltungen

Voraussetzungen für die Aufnahme

Aufgenommen werden können ausschließlich Kinder und Jugendliche über eine Anfrage des zuständigen Jugendamtes (das auch immer Kostenträger der Maßnahme ist) an die Leitung des Bereichs. Nach Zusendung der Platzanfrage und Prüfung der Unterlagen wie Kapazitäten wird im nächsten Schritt ein Vorstellungsgespräch mit dem Kind / Jugendlichen, dessen Sorgeberechtigten und dem Jugendamt in der in Frage kommenden Wohngruppe vereinbart. Nach Bedenkzeit durch alle Beteiligten und unter der Voraussetzung der Zustimmung aller Beteiligten wird ein Einzugstermin vereinbart.

Aufnahmevoraussetzungen für die Heilende Pädagogik mit Tieren sind die Bereitschaft des jungen Menschen, sich auf die Begegnung mit Tieren einzulassen, sowie die Abklärung allergischer Reaktionen.

Die Förder- und Entwicklungsziele werden gemeinsam mit dem jungen Menschen, den Personensorgeberechtigten, den beteiligten Institutionen sowie den zuständigen Kostenträgern vereinbart und regelmäßig überprüft.

Finanzierung

Das zuständige Jugendamt ist Kostenträger und finanziert die Maßnahme über einen verhandelten Tagessatz.

Die Kosten für die Pflege und Versorgung der Tiere sind nicht über diesen Tagessatz abgedeckt. Hierfür sind wir jedes Jahr aufs Neue auf Spendenhilfe angewiesen.

Rechtlicher und struktureller Rahmen

Die Aufnahme in eine Wohngruppe kann nur über die Anfrage durch das zuständige Jugendamt erfolgen, das zugleich Kostenträger der Maßnahme über einen verhandelten Tagessatz ist.

Rechtsgrundlagen: §§ 27 Abs. 2 in Verbindung mit §§ 34, 35a,  41 SGB XIII

Eine Brücke aus der Isloation

Es kann jeden treffen

In der tiergestützten Pädagogik stehen die Beziehungsanbahnung und -gestaltung zwischen Mensch und Tier sowie die Übertragung der hierbei gemachten Erfahrungen auf den Umgang mit anderen Menschen und auf das eigene Umfeld im Mittelpunkt. Durch den behutsamen Kontaktaufbau mit den vierbeinigen oder gefiederten Freunden lernen die jungen Menschen, Ängste zu überwinden, Mut zu fassen und Verantwortung zu übernehmen. Langsam gewinnen sie wieder Vertrauen ins Leben und zu anderen Menschen.

Für die Tierversorgung sind Spenden nötig. Bitte helfen Sie mit

Aktuelles

Heilende Pädagogik mit Tieren_traumatisierte Kinder_Paulihof

Tag der offenen Tür

Am Sonntag, den 7. Oktober 2018 öffnet der Paulihof in Kühbach/Unterbernbach (Landkreis Aichach-Friedberg) wieder seine Pforten!  Von 11 Uhr bis 16 Uhr haben Sie gemeinsam mit Familie oder Freunden die Möglichkeit, Team und Tiere auf dem Paulihof kennen zu lernen und Wissenswertes über die tiergestützte Pädagogik zu erfahren.

Anfahrt mit dem Auto: A8 Richtung Augsburg bis Ausfahrt Dasing, B300 (Richtung Aichach, Ingolstadt) bis Ausfahrt Kühbach-Süd, dann der ausgeschilderten Strecke bis Unterbernbach folgen.

Kontakt

Heigenmooser

Bereichsleitung Tiergestützte Erziehungsangebote

Ulrike Heigenmooser
Tel: 0-89-231716-7810
Fax: 0-89-231716-7819
u.heigenmooserSPAMFILTER@kinderschutz.de