KIBS

Jungen und junge Männer können in jedem Alter von sexualisierter oder häuslicher Gewalt betroffen sein. Etwa ein Drittel der von sexuellem Missbrauch Betroffenen sind männlich. KIBS unterstützt, berät und informiert betroffene und gefährdete Jungen und deren Bezugspersonen. Ebenso können sich Fachkräfte an KIBS wenden, wenn sie zum Beispiel den Verdacht haben, dass ein Junge von sexualisierter oder häuslicher Gewalt betroffen sein könnte. Zur Prävention sexualisierter, physischer und emotionaler Gewalt in (teil-)stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe wurde vom KINDERSCHUTZ MÜNCHEN mit „PräviKIBS“ ein spezielles Programm entwickelt.

Telefonische Information und Beratung 
Tel. 089 / 23 17 16 - 9120

Kostenfreie Beratung bei KIBS

Wir beraten Jungen und männliche Jugendliche bis 27 Jahre, die Opfer sexualisierter Gewalt wurden

Wir beraten Eltern, Angehörige, Freunde von Betroffenen

Missbrauch auf der Flucht

Wir beraten minderjährige männliche Flüchtlinge, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind

Häusliche Gewalt

Wir beraten Jungen ab 6 Jahren aus der Stadt München, die häusliche Gewalt miterlebt haben

Beratung für Kolleg*innen

Wir beraten Fachkräfte aus Institutionen und Einrichtungen

Fortbildungen

Wir bieten Fortbildungen, auch zur Prävention, an

Für Betroffene: Persönliche Beratung, Begleitung, Krisenintervention

Es kann jeden treffen

Die Beratung ist kostenlos und erfolgt auf Wunsch anonym. Über Form und Inhalt entscheiden die Betroffenen selbst. Unser Team unterliegt der Schweigepflicht.Mögliche Angebote und Hilfeformen für Betroffene sind:

  • Beratung, wahlweise mit gleich- oder gegengeschlechtlichen Beratungspersonen
  • Vermittlung von und Unterstützung bei juristischer Beratung
  • Vermittlung an psychosoziale Prozessbegleitung
  • Traumatherapeutische Hilfen
  • Familientherapeutische Hilfen

Information an Jungen und junge Männer

Es kann jeden treffen

Wir wissen, dass junge Männer, die sexualisierte oder häusliche Gewalt erlebt haben, starke Schamgefühle haben.

Es ist schwer, über sexualisierte oder häusliche Gewalt zu sprechen. Wir haben dafür Verständnis.

Wir stehen unter Schweigepflicht.

Es kann jeden treffen

Wir unterstützen Jungen und junge Männer, die sexualisierte oder häusliche Gewalt erleben mussten.

Bei uns kannst du lernen, mit belastenden Gefühlen umzugehen.

Wir interessieren uns dafür, was du brauchst.

Wir interessieren uns für deine Stärken und Fähigkeiten.

Wir unterstützen Jungen und junge Männer unabhängig von ihrer Herkunft, Kultur, sexuellen Identität, ethnischen Zugehörigkeit, Beeinträchtigung und Religion.

Uns ist wichtig, dass wir dich verstehen und dass du dich von uns verstanden fühlst. 

Möchtest du mit uns sprechen? Du kannst uns jederzeit
anrufen (089) 231716-9120 oder eine E-Mail schreiben

Zielgruppe und Zielsetzung

Wir sind seit 1999 als spezialisierte Fachberatungsstelle tätig.

Betroffene und gefährdete Jungen sind häufig auf die Wachsamkeit und das Engagement von Erwachsenen angewiesen. Daher ermöglichen wir Fachkräften, Eltern, Angehörigen oder anderen Bezugspersonen einen niedrigschwelligen Zugang zu Beratung – um ein „Bauchgefühl“ zu besprechen, eine Falleinschätzung vorzunehmen, einen Verdachtsfall zu melden und gemeinsam nächste Schritte zum Schutz der Jungen zu planen. Wir informieren, beraten und begleiten männliche junge Menschen bis zum Alter von 27 Jahren, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind.

Unsere Vision

Die Kontakt- Informations- und Beratungsstelle versteht sich als Initiative zur Hilfe und Unterstützung für männliche Opfer sexualisierter Gewalt. Die Idee zur Gründung einer solchen Einrichtung stammt ursprünglich von Ulrike Tümmler-Wanger. Sie machte in ihrer langjährigen sozialpädagogischen Tätigkeit mit Jugendlichen die Erfahrung, dass Jungen, die von sexualisierter Gewalt betroffen waren, keinerlei Möglichkeit hatten, sich hilfesuchend an ihre soziale Umwelt zu wenden. Die Schaffung eines zielgruppenspezifischen Angebots verfolgt aber nicht nur den Zweck der unmittelbaren Unterstützung für Betroffene, sondern es soll auch die Funktion erfüllen, die gesellschaftliche Tatsache der sexualisierten Gewalt an Jungen ins öffentliche Bewusstsein zu transportieren.

Jungen, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind, sind keine „exotischen Einzelfälle“. Alle einschlägigen Studien machen deutlich, dass sexualisierte Gewalt an Jungen – auch hierzulande! – ein erhebliches gesellschaftliches Problem ist. Die (sozialisationsbedingten) Schwierigkeiten von Jungen, sich ihrer Umwelt anzuvertrauen sind in engem Zusammenhang zu sehen mit der gesellschaftlichen Abwehr gegenüber diesem Thema. Diese lässt sich beispielhaft an folgenden Bereichen aufzeigen: Es scheint im Bereich der Massenmedien noch keine angemessene Form gefunden worden zu sein, wie das Thema in einer sensiblen (d.h. vor allem die Opfer schützenden Weise) in die Öffentlichkeit transportiert werden kann. Zeitungs- und TV-Berichte sind mehrheitlich geprägt von subtilen Schuldzuweisungen an die Opfer, von der Vermarktung von Einzelschicksalen, von Sinn entstellenden Verkürzungen sowie von dem Bemühen, „sexuellen Missbrauch“ mit „Sex“ zu assoziieren und somit Quoten zu erhöhen.

Berichte über ignorantes, herabwürdigendes, verletzendes oder mindestens unsensibles Verhalten seitens Vertreter von Institutionen (z.B. im Bereich von Justiz, Polizei, Kinder- und Jugendhilfe, Therapie,...) gegenüber Betroffenen sind – angesichts ihrer großen Zahl - als repräsentative Dokumente einer gesellschaftlich geduldeten Haltung gegenüber männlichen Betroffenen sexualisierter Gewalt aufzufassen.

Es gibt bundesweit immer noch viel zu wenige Angebote, die sich speziell an Jungen und junge Männer richten, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Die Annahme, wonach es eines hochprofessionellen, spezialisierten Angebots bedarf, um Betroffenen einen Ausweg aus ihrer Situation zu signalisieren, scheint sich weder bei Anbietern sozialer Dienstleistungen noch bei potentiellen Geldgebern durchgesetzt zu haben. Es ist wichtig, eine realitätsnahe Kommunikation über sexualisierte Gewalt - möglichst fernab von Verharmlosungen und Dämonisierungen – zu entwickeln. Erst wenn Jungen merken, dass die „Erwachsenenwelt“ eine angemessene und offene Sprache zum Thema „sexualisierte Übergriffe“ gefunden hat, werden sie die Möglichkeit ins Auge fassen, Erwachsene als potentielle Verbündete oder Ansprechpartner zu diesem Thema. KIBS will Signale setzen. KIBS will Möglichkeiten eröffnen – zum Gespräch, zum Aufbrechen eines Tabus, zur Suche nach Lösungen, zum Handeln – und bei all dem behutsam darauf achten, worin die tatsächlichen Anliegen der Betroffenen bestehen.

Die Geschichte von KIBS in München

Die Arbeit von KIBS begann im Mai 1999 mit dem sogenannten „Pfadfinderfall“. In diesem Zusammenhang waren zwei Pfadfinderführer angeklagt, über mehrere Jahre mindestens 20 Jungen sexuell missbraucht zu haben. Der Zufall wollte es, dass das damalige K 314 (Münchner Opferschutzdezernat von Ulrike Tümmler-Wangers Vorhaben erfuhr, eine Beratungsstelle für sexuell misshandelte Jungen zu eröffnen, und sie um Unterstützung im oben genannten Fall bat. Damit konnte das Projekt schneller als geplant umgesetzt werden. Für Frau Tümmler-Wanger ergab sich die Möglichkeit, bereits während der polizeilichen Ermittlungen die Opfer und deren Angehörige zu betreuen und zu beraten. Mit diesem intensiven Einstieg konnte sie in relativ kurzer Zeit viele Erfahrungen machen – positive wie negative – und einen realistischen Einblick in die Materie gewinnen. Mit der Bereitschaft, im „Pfadfinderfall“ sofort tätig zu werden, war die Finanzierung der Beratungsstelle jedoch noch lange nicht gesichert. Das Überleben der Beratungsstelle war in dieser Phase allein Vorstand und Geschäftsleitung des Vereins Kinderschutz und Mutterschutz e.V. (jetzt: KINDERSCHUTZ MÜNCHEN) zu verdanken, die an das Projekt glaubten. Sie trugen eineinhalb Jahre lang den Defizithaushalt von KIBS und kämpften so lange für eine langfristige Regelfinanzierung, bis die Beratungsstelle zu einem festen Bestandteil des Münchner Hilfesystems wurde. Schon 4 Monate nach Gründung der Beratungsstelle – als noch kein Geld in Aussicht war – wurde ein weiterer Kollege eingestellt, da Ulrike Tümmler-Wanger die Arbeit nicht mehr allein bewältigen konnte.
In dieser Zeit hat sich deutlich gezeigt, dass viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten ist, um die Notwendigkeit der Beratungsstelle zu dokumentieren. Männliche Täter waren allen bekannt und es gab auch wenig Zweifel, dass auf diesem Gebiet Angebote zur Therapie geschaffen werden müssten. Aber männliche Opfer sexualisierter Gewalt waren bislang nur als diffuse Dunkelziffer in den Köpfen präsent. Ihnen wurde wenig Aufmerksamkeit entgegen gebracht.
Die langwierigen Auseinandersetzungen am Anfang haben gezeigt, dass auch in der Fachöffentlichkeit noch viel Unwissen über die Problematik besteht und viel Aufklärungsarbeit geleistet werden muss, um ein Umdenken zu erreichen. Unsere Überzeugungsarbeit, aber auch die Zahlen, die wir seit unserem Bestehen vorlegen können, haben zum Glück Früchte getragen. Im Jahr 2001 wurde die Beratungsstelle bezuschusst und seit 2002 ist ihre Existenz durch die Regelfinanzierung der Stadt München mittelfristig gesichert.
KIBS arbeitet nicht mit Tätern. Wir verstehen unseren Ansatz auch nicht im Sinne von "Täterprävention"! Dies würde zum einen das Vorurteil bekräftigen, wonach männliche Betroffene zu Tätern werden würden (ein erhöhtes Risiko besteht nur unter bestimmten Bedingungen). Zum anderen würde es dieser Ansatz den Betroffenen weitgehend unmöglich machen, sich Hilfe zu holen.

Sexualisiertes Verhalten von Jungen ist nicht automatisch Täterverhalten. Es ist wichtig, zwischen entwicklungsangemessener Sexualität und sexueller Übergriffigkeit zu unterscheiden. Zu dieser Frage, die Fachkräfte häufig verunsichert, bietet KIBS Orientierung.

Downloads und weitere Kontakte

Hier finden Sie Faltblätter, Broschüren und weitere Informationen zum Download

Und zudem weitere Kontaktadressen zum Thema

Finanzierung

Gefördert durch die Landeshauptstadt München, Bayerisches Staatsministerium für
Arbeit und Soziales, Familie und Integration

Da der öffentliche Zuschuss für KIBS nur einen Teil der Kosten deckt,sind wir dringend auf Spenden angewiesen. Wir bitten Sie um Ihre Unterstützung:

Spendenkonto
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN DE44 7002 0500 0007 8183 07
BIC BFSWDE33MUE
Kennwort: KIBS

Kooperationen

Kooperationen

KIBS kooperiert mit verschiedenen Einrichtungen zur Prävention und Intervention bei sexuellem Missbrauch (siehe auch Arbeitsgemeinschaft Münchner Fachstellen), mit Jugendämtern, Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, Einrichtungen der Frauenhilfe, Strafverfolgungsbehörden, Familiengerichten, Traumahilfen und vielen weiteren.  Fallbezogen gibt es darüber hinaus Kooperationen mit  der Bezirkssozialarbeit, der Schulsozialarbeit oder Kindergärten. In Fällen von häuslicher Gewalt erfolgen Kooperationen mit der Frauenhilfe und dem Münchner Informationszentrum für Männer. KIBS ist zudem in verschiedenen Arbeitskreisen zu den Themen sexualisierte Gewalt, geschlechtsspezifische Arbeit, häusliche Gewalt, Trauma, etc. vertreten.

Einzelfallgeschichte

Es kann jeden treffen

Der 12-jährige Max sitzt im Rollstuhl und ist auf die Betreuung von Helfern angewiesen. Als bekannt wird, dass er von einem seiner studentischen Helfer sexuell missbraucht wurde, wendet sich seine Familie an KIBS. Hier erhalten sie sofort Hilfe: Durch wöchentliche Gespräche bekommen Max und seine Eltern Raum, um über ihre psychische Belastungen und den Vertrauensmissbrauch zu reden. Auch Unterstützung im Strafverfahren kann durch KIBS übernommen werden: Der Täter wurde mittlerweile verurteilt. Max hat bei der Bewältigung seiner traumatischen Erfahrungen große Fortschritte gemacht.

Kontaktformular

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Postanschrift

KINDERSCHUTZ MÜNCHEN
KIBS
Holzstraße 26
80469 München

Telefon: -89-231716-9120
Telefax: -89-231716-9119
E-Mail: mailSPAMFILTER@kibs.de

Kontakt

Kinderschutz München e.V.

Teamleitung

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Fax: 0-89-231716-9119
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