Sexuelle Gewalt gegenüber Kindern in München steigt an

6. April 2026 – Die am 20. März veröffentlichten Zahlen der aktuellen Polizei-Kriminalstatistik (PKS) zu sexueller Gewalt sind besorgniserregend: Sexueller Missbrauch von Kindern ist in München auf 3.294 Fälle, also um 23 Prozent, angestiegen - seit 2021 sogar um 66,5 Prozent. 1.181 Straftaten, die mit Kinderpornographie zu tun haben, gegenüber 351 im Vorjahr – eine Steigerung um 236,5 Prozent. Die Fälle häuslicher Gewalt stiegen im Vergleich zu 2024 um 3,9 Prozent auf 4.176 Fälle, im Zehn-Jahres-Vergleich um 21,5 Prozent!

Die Dunkelziffer ist in jedem Fall höher. Bei den Zahlen handelt es sich ausschließlich um Fälle, die der Polizei gemeldet worden sind. Etwa ein Drittel der von sexuellem Missbrauch Betroffenen ist männlich*.

Zwar sind in letzter Zeit die Bereitschaft, Anzeige zu erstatten, und der Mut, als Betroffene*r überhaupt nach draußen zu gehen, gestiegen und auch die Sensibilität für das Thema ist größer geworden. Trotz Me-too-Bewegung und mehr Bewusstsein bleibt die Hürde allerdings hoch. Nur wenige erstatten Anzeige – nicht selten sind die Betroffenen zu traumatisiert, um zu handeln, sie haben Angst vor dem oder der Täter*in oder vor dem Gerichtsverfahren, wegen vermeintlich fehlender Beweise, sie schweigen aus Scham oder wegen falscher Schuldgefühle. Dazu kommen bei Jungen* traditionelle Rollenbilder, wonach Jungen* keine Schwäche zeigen dürfen. Diese halten sich hartnäckig bzw. werden aktuell z.B. auf Social Media wieder stark befördert und führen zu noch größerer Zurückhaltung bei Jungen* und jungen Männern*, die von sexualisierter und/oder häuslicher Gewalt betroffen sind, sich offen zu äußern. Laut den Fachkräften unserer Beratungsstelle KIBS, die diese Jungen* und junge Männer* begleiten, helfen verantwortungsvolle Begleitung, nachhaltige Aufklärung, Verständnis und Wertschätzung, um Transparenz zu schaffen und Schutz herzustellen.

Im Kontext von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zeigen die aktuellen Zahlen des Berichts „Kriminalität und Viktimisierung junger Menschen in Bayern 2024“ der Kriminologischen Forschungsgruppe der Bayerischen Polizei (KFG) einen weiteren besorgniserregenden Aspekt: eine Zunahme um 3,8 Prozent an Schulen. Wir sind in München mit sozialer Arbeit an 15 Schulen vertreten. Unsere Kolleg*innen arbeiten eng mit den Lehrkräften zusammen, um die Kinder gut im Blick zu haben und bei Auffälligkeiten schnell im Sinne des Kinderschutzes zu reagieren. Diese Funktion an den Schulen ist enorm wichtig, daher muss soziale Arbeit an Schulen aufrechterhalten bzw. an weiteren Schulen weiter ausgebaut werden.

Sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen bedeutet eine Verletzung ihrer körperlichen und seelischen Unversehrtheit – und eine tiefe moralische und gesellschaftliche Herausforderung. 

Zum Nachlesen:
Polizeiliche Kriminalstatistik Bayern 2025
Sicherheitsreport 2025 der Polizei München
Kriminalität und Viktimisierung junger Menschen in Bayern 2024 des Bayerischen Landeskriminalamts